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Swinging tribune

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von Eva Pixner, Kathrin Ungerer

betreut: Valentine Troi

Inhaltsverzeichnis

Ort und Projekt

Ort des Geschehens ist der Piesberg, ein Bergabbaugebiet in Osnabrück. Vor etwa 2 Jahren nahmen wir an einem Studentenworkshop zum Thema der Nachnutzung des Piesberges teil. Dieses Thema wollten wir für die Hochbau 2 Übung wieder aufgreifen. Die Stadt Osnabrück hat geplant, den Bergabbau noch bis 2030 durchzuführen, dann sollte das Gebiet nachgenutzt werden. Unsere Idee ist es aber, den Berg nicht erst ab 2030 zu nutzen, sondern heute schon für die Menschen zugänglich zu machen und etwas zu schaffen, das neben dem Abbau bereits existieren kann. Durch den Abbau erhielt der Berg im Laufe der Jahre eine Kesselform, die sich gut für Großveranstaltungen eignen könnte. Das Gebiet ist riesig, vielleicht kann man es sich nicht vorstellen, aber vergleichsweise hätte die Allianz Arena im gesamten Kessel fünfmal Platz. Der Piesberg befindet sich etwa 5 km von Osnabrück entfernt, was vorteilhaft ist, so würde sich die Lärmbelästigung bei Veranstaltungen in Grenzen halten. Unsere Idee ist es, eine Landschaft zu schaffen, die verschiedene Bereiche entstehen lässt, wo dann mobile Tribünensysteme eingesetzt werden können. Das Gebiet soll nach von uns entwickelten Regeln abgesprengt werden, damit eine temporäre und flexible Nutzung für Veranstaltungen möglich ist.

Parameter für den Entwurf

Um diese Absprengregeln entwickeln zu können, brauchten wir einige Parameter. Zum Beispiel mussten wir uns mit dem Vorgang des Sprengens genau beschäftigen. Wir nahmen also Kontakt mit dem Betriebsleiter des Bergabbaugebietes Zirl auf. Wir unternahmen eine Exkursion dorthin, und bekamen eine Führung durch das gesamte Abbaugebiet. Dabei klärte er uns über das Absprengsystem auf und wir erhielten von ihm Sprengpläne. Zum Absprengen braucht es sowohl vertikale, als auch horizontale Bohrlöcher. Zusammen ermöglichen sie es, dass die abzusprengende Masse leicht abrutschen kann. Außerdem ist zu sagen, dass durch die Sprengung ein Raster von Linien im Fels zurück bleibt. Diese Linien, halbzylinderförmige Aussparungen, sind ein Zeichen der Sprengung und der Zeit. Um weitere Absprengregeln entwickeln zu können, brauchten wir aber noch andere Parameter. Wir informierten uns über große Stadien und wie diese funktionieren. Es war wichtig zu wissen, wie groß die Steigungen der einzelnen Ränge sind, und wie das parabolische Steigungsverhältnis (Erhöhung) funktioniert. Außerdem informierten wir uns, wie man den Zuschauerraum in Theatern gestaltet und von der Größenordnung proportioniert. Es gibt dabei eine Formel von Gellinek, eine zeichnerische Ermittlung von Sehweiten, Sichtverhältnissen und Zuschauerzonen. Diese kann jedoch nur bei geschlossenen Räumen angewendet werden. Deshalb verwendeten wir dieses System als Grundprinzip, adaptierten es aber auf unsere Situation. Unsere Idee war es, durch Überlagerung von solchen Sichtwinkeln, Zonen (Flächen) zu finden, die für den Zuschauer besonders gute Sehbedingungen schaffen. Wir verwendeten die unterste Abbruchlinie für unsere Konstruktion. Entlang von dieser Linie legten wir verschiedene Möglichkeiten von Bühnen und konstruierten dazu die jeweiligen Sichtwinkel. Daraus ergaben sich etliche Überlagerungen. Aus diesen filterten wir jene Bereiche, die für möglichst viele Zuschauer ideal sind. Die Addition dieser Flächen ergibt unser Sprengsystem im Grundriss.

Dann ordneten wir diesen Flächen bestimmte Steigungsgrade zu. Aus der Fläche und dessen Höhe resultierte dann die Masse des abzutragenden Berges. So entstand eine neue Landschaft, die sich stark von der üblichen Abbaulandschaft unterscheidet.

Im nächsten Schritt haben wir den Schwerpunkt nur mehr auf die Entwicklung der mobilen Tribünensysteme gelegt. Die möglichen Bühnenpositionen bleiben total offen, das ist nicht unsere Aufgabe, sondern Thema der Regisseure und Veranstalter. Wir bieten nur das nötige Umfeld.

Grundkonzept: Tribünenentwicklung

Der nächste Schritt bestand darin, diese mobilen Tribünen zu entwickeln, die sich, je nach Bedarf, in das neue Gelände einsetzen lassen. Diese Tribünen sollten so konstruiert sein, dass sie sich relativ einfach verschieben lassen, um ein weiteres Absprengen an einer Stelle zu ermöglichen. Diese leichten und filigranen Konstruktionen können dann an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden und finden so erneute Verwendung. Um zu unserem geplanten Ergebnis zu gelangen, informierten wir uns bei konventionellen Tribünensystemen, die ebenfalls schnell aufgebaut werden können. Ein solches, freistehendes Tribünensystem besteht aus einer Vielzahl von Komponenten. Wichtig ist vor allem das Untergestänge zur Stabilisierung des Ganzen. In unserem Steinbruch aber finden wir eine ganz andere Situation vor. Wir haben an zwei Stellen eine Felswand, die das ganze Tribünensystem abstützen können. So kann das neue System soweit wie möglich minimiert und das Untergestänge vernachlässigt werden.

Systemskizze: Konstruktion und Aufbau

Wir haben uns für eine Seilkonstruktion mit mehreren Seilen entschieden, über die später die Tribünenelemente heruntergerollt werden. Das Seil wird an zwei Felspunkten verankert und bildet somit eine Parabellinie. Die vorgefertigten Tribünenelemente werden in Paketen angeliefert und über eine Seilwinde mit Zugseil auf den Tragseilen mittels Rollen langsam hinunter gelassen. Die Tribünenelemente stabilisieren sich durch das Aufeinandertreffen von selber. Um den äußeren Einwirkungen zu trotzen, braucht es jedoch zusätzliche Diagonalstäbe, die am Seil fixiert und zum Felsen hin abgespannt werden. Zum Schluss wird das Geländer montiert. Außerdem werden von den Besuchern selbst die Tribünensessel an gewünschter Position angebracht.

Details

Die Seile haben einen Abstand von 8 m zueinander und haben einen Durchmesser von 18 cm. Das Seil, das am Ende ein Gabelstück besitzt, wird am Fels mit einem Schwert und gepressten Felsankern fixiert. Am unteren Ankerpunkt wird eine Seilklemme benötigt, um das Tribünensystem später abzubremsen und in dieser Position zu halten. Der obere Ankerpunkt des Seiles funktioniert gleichermaßen. Nachdem die Tragseile montiert wurden, werden nun die vorgefertigten, zusammengefalteten Tribünenelemente aus Lochblech als Pakete geliefert. Die Pakete sind ca. ein Meter hoch und sind so relativ handlich. Bei der Lieferung sind sie mit einem Montagegurt fixiert, der dann aber vor der Tribünenmontage entfernt wird. Für die zusammengefalteten Tribünenelemente haben wir uns einen eigenen Faltmodus überlegt, sodass ein möglichst kleines Paket herstellbar ist. Die einzelnen Pakete sind zwar in ihrer Innenstruktur, je nach Steigungsverhältnis, anders, unterscheiden sich aber nicht in ihrer Höhe im zusammengefalteten Zustand (immer 1 m hoch, Verhältnis z.B. 25/75 und 29/71). Damit die Tribünenelemente überhaupt erst zusammengefaltet werden können, müssen die Setz- und die Trittstufe mit einem Scharnier verbunden sein. Dieses soll im bestimmten Winkelbereich frei drehbar sein. Bei 90° soll sich das Scharnier aber stabilisieren, damit es dann die Form einer Stufe einnehmen kann. Damit die zusammengefalteten Teile jedoch nicht wieder auseinander fallen und als stabile Pakete lieferbar sind, müssen diese Scharniere aber fixiert werden. Für die Fixierung des ersten Tribünenelementes haben wir uns ein eigenes Detail überlegt. Durch einen Magnetdruckschnapper wird das Scharnier zusammengehalten. Sobald aber jemand von oben Druck auf das erste Element ausübt, wird das Scharnier von seiner fixen Position gelöst und ist nun frei drehbar. Das funktioniert folgendermaßen: Sowohl beim Scharnier, als auch beim Magnetdruckschnapper ist eine Federung eingebaut, die sich bei von oben ausgeübten Druck, zuerst zusammenzieht, und sich dann auseinander drückt. Durch den weitergegebenen Druck der Federung wird die Setzstufe aus ihrer fixen Position gelöst und kippt bis zu 90° in ihre Endposition. Bei den folgenden Elementen braucht es diesen Druck, der von der Person ausgeübt wird, nicht mehr. Diese Elemente sind nämlich mit einem Scharnier verbunden, das durch einen Kugelschnapper fixiert ist. Durch die Zugkraft, die durch das Kippen des ersten Elementes freigesetzt wird, werden die restlichen Elemente durch Gegenkraft der noch stehenden Elemente „mitgezogen“. Damit die Tribünenelemente entlang der Tragseile nicht ungehindert nach unten rutschen können, benötigt man eine Seilwinde mit einem Zugseil, die das System einbremsen und langsam in die richtige Position bringen kann. Das Lochblech der einzelnen Tribünenteile ist so ausgebildet, dass sich am Ende eine Blechlasche befindet, in die die Rollen eingelassen sind. Diese Blechlaschen sind sehr wichtig, um das Tribünenelement beim Herunterrollen in Position zu halten und zu lenken. Die eingelassenen Rollen zwischen den Laschen sind zwar sehr breit (19 cm), jedoch nicht sehr hoch (4,5 cm). So funktionieren sie eher wie „Kufen“. Sobald die Tribünenelemente auf dem Seil ihre fixe Position eingenommen haben, müssen sie zur Sicherheit mit einem Spanngurt am Seil befestigt werden. Diesen Spanngurt sehen wir bei jedem 5. Element vor. Nach der Tribünenmontage wird das Seil mittels Diagonalstäbe, in Form von filigranen fischbauchähnlichen Trägern, fixiert. Diese Diagonalstäbe sind untergeordnete Elemente, sie sind nur Schwingungsdämpfer. Sie dämpfen die Schwingungen, die auf der Tribüne oder durch natürliche Kräfte, wie Erdbeben und Wind, entstehen. Die Stäbe werden im Abstand von 10 m zueinander am Seil befestigt und sind nicht parallel, sondern ungleichmäßig, waldähnlich, angeordnet. Die einzelnen Rohre der Fischbauchträger haben einen Durchmesser von 10 cm. Der Träger ist an beiden Enden (zum Seil und zum Felsen hin) als fachwerkähnlicher Knoten mit einem Verbindungsschwert ausgebildet. Oben am Seil wird das Schwert des Trägers mit einer Klemme, die am Seil befestigt ist, verschraubt. Unten wird das Schwert mit einer Gabellasche verbunden. Natürlich haben wir auch an Sicherheitsabstände wie Gänge und Treppen gedacht. Diese werden nach der Tribünenmontage durch fixe Aufbauten realisiert. Diese Fixelemente können auf die Unterstruktur der Tribünenelemente je nach Bedarf angebracht werden. Sie ermöglichen eine sichere Erschließung der Tribüne. Allerdings entstehen durch die flexible und individuelle Anordnung der Tribünensessel interessante Zwischenräume, die ebenfalls neue Wege bilden. Beim Geländer haben wir zwei verschiedene Möglichkeiten gewählt. Das erste Geländer ist das Standartsystem einer herkömmlichen Tribüne. Damit es relativ schnell aufgebaut werden kann, werden vorgefertigte Geländerelemente an einen fixen Steher montiert. Unser Vorschlag aber wäre ein anderer. Die Montage erfolgt nach dem selben Prinzip, jedoch würden wir für die vorgefertigten Geländerelemente entweder Waben- oder Prismenpaneele vorschlagen. Diese Paneele werden von der Firma Interlux hergestellt. Sie sind sehr interessant. Es gibt sie in unterschiedlichen Farbtönen, auch variiert ihr Aussehen durch die innere Struktur. Da sie zusätzlich noch lichtdurchlässig sind, schaffen sie schöne und interessante Lichtspiele. Das Bestuhlungssystem ist sehr flexibel. Die Stühle können durch integrierte Metalldruckknöpfe überall auf den Stufenelementen befestigt werden. Beim Eingang bekommt jeder Zuschauer seinen eigenen Stuhl mit einem Sitzkissen und kann sich seinen Platz selber aussuchen. Der Vorteil des Stuhles besteht darin, dass er stapelbar ist. Außerdem ist er leicht und dadurch sehr handlich. Das Material nennt sich Aluminium Formetal Ypsilon (3 mm dick) und hat eine Dreisternlochung. Es ist weich und daher dreidimensional verformbar. Der Metalldruckknopf funktioniert wie jener, den man oft an Jacken findet. Durch Druck lässt er sich problemlos in die Aussparungen des Lochbleches einklicken.

Abschließende Bemerkung

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das System flexibel in der Verwendung ist. Die einzelnen Teile der Konstruktion können für einen anderen, größeren oder kleineren Bereich wieder verwendet werden. Je nach Veranstaltungsart und Größe variiert die Anzahl der mit Tribünen ausgefüllten Bereiche. Die Unterkonstruktion der Seile muss nicht zur Gänze gefüllt werden. Je nach Bedarf können auch nur einige Segmente verwendet werden.

Quellenverzeichnis

http://www.halfen-deha.de/
http://www.nuessli.at/
http://www.carlstahl.at/
http://www.doppelmayr.it/
http://www.modulor.de/
http://www.seil.at/
http://www.interlux.at/
http://de.wikipedia.org/wiki/Osnabr%C3%BCck
http://www.osnabrueck.de/buga2015/
http://www.osnabrueck.de/images_design/Grafiken_Inhalt_Wohnen_Verkehr/Piesberg_Rundwanderweg.pdf
Stahlbauatlas: Schulitz, Helmut C. : Stahlbau-Atlas / Schulitz ; Sobek ; Habermann. - 1., unveränd. Nachdr. . - Basel [u.a.] : Birkhäuser; München


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Attribute

Pixner Eva, Ungerer Kathrin | Troi Valentine | HB2 | Aviao Experimental | 07WS

Fakten zu Swinging tribuneRDF-Feed
BetreuerTroi Valentine  +
LVHB2  +
Semester07WS  +
TitelAviao Experimental  +
VerfasserPixner Eva  + und Ungerer Kathrin  +
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