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Schallschutz

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Inhaltsverzeichnis

Grundlagen zum Schallschutz

Unter Schallschutz werden alle Maßnahmen verstanden, die die Schallübertragung von einer Schallquelle zum Hörer vermindern (sie völlig zu verhindern ist nicht möglich).
Sind Schallquelle und Hörer in einem Raum, so geschieht dies durch Schallschluckung.
Sind Schallquelle und Hörer in zwei verschiedenen Räumen, so geschieht die Verminderung duch Schalldämmung.

Im Schallschutz unterscheidet man je nach Art des Störschalls zwischen Luftschall (wenn die Schallquelle zunächst die umgebende Luft anregt), Körperschall (wenn die Schallquelle ein Bauteil direkt anregt) und Trittschall (Körperschall, der beim Begehen oder ähnlichem Anregen der Decke oder Treppe entsteht).
"Neufert Bauentwurfslehre" 2005, 38. Auflage
ISBN 3-528-99651-X


Definitionen

Definition laut ÖNORM B 8115-1, Ausgabe 2002:
Schall ist der Sammelbegriff für mechanische Schwingungen mit Frequenzen im Hörbereich des menschlichen Ohres (etwa 16 HZ bis 20.000 Hz).


Definition laut „Physikalische Grundlagen – Bau und Energie“ von Hans Moor, hrg. von Christoph Zürcher, Band 1, Zürich / Stuttgart, 1993, S.61
ISBN 3-7281-1824-9
Physikalisch gesehen handelt es sich beim Schall um elastische Wellen. Diese können sich in Festkörpern (Körperschall), in Flüssigkeiten und Gasen (Luftschall) ausbreiten. Im Gegensatz zum Licht benötigen Schallwellen immer ein materielles Trägermedium. Eine Ausbreitung im Vakuum ist nicht möglich. Physiologisch betrachtet ist Schall eine Empfindung. Sie wird im Gehirn ausgelöst, wenn Druckschwankungen in unser Ohr gelangen und dort die Hörnerven anregen. Liegen die Frequenzen höher als 20.000 Hz, sprechen wir von Ultraschall. Frequenzen unter 16 Hz werden nicht mehr als Töne, sondern als Erschütterungen oder Vibration empfunden. Dieser Bereich wird als Infraschall bezeichnet.


Definition Lärm laut „Schallschutz – Wärmeschutz – Feuchteschutz – Brandschutz im Innenausbau“ Peter Schulz Ausgabe 1996 Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, S.30
ISBN 3-421-02995-4
Lärm ist jede Geräuschimmission, die die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und die Arbeitssicherheit des Menschen beeinträchtigt und die er deshalb als störend oder belästigend empfindet. Somit ist Lärm ein subjektiver Begriff und hängt von der Einstellung des Hörenden zur Lärmquelle ab.
Der Lärm wird umso lästiger, je heftiger und je häufiger er auftritt und je länger die einzelnen Intervalle dauern. Lärm kann den Menschen auch gefährden oder schädigen.

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Begriffserklärungen

  • Frequenz aus dem lat. frequentia, Häufigkeit, Formelzeichen f bezeichnet die Schwingungszahl pro Sekunde und wird in Hz angegeben.
f = c / λ


  • Schallgeschwindigkeit beschreibt die Geschwindigkeit, mit der sich Schall in einem Übertragungsmedium ausbreitet und wird in m/sec. angegeben. Formelzeichen c.
Luft (bei Temperatur von 20°C): 343 m/sec
Wasser: 1.400 m/sec
c = λ * f


  • Wellenlänge, Formelzeichen λ
λ = c / f


  • Schallpegel beschreibt die Schalleinwirkung / Lautstärke, Formelzeichen L und wird in dB angegeben.


  • Hörbereich bezeichnet jenen Frequenzbereich zwischen 16 Hz und 20.000 Hz der vom gesunden menschlichen Gehör wahrgenommen wird.
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Schallschutzbereich

Der für den Schallschutz von Bauteilen maßgebende Schallschutzbereich liegt zwischen 100 und 3.150 Hz; bei diesen Frequenzen ist das menschliche Ohr am empfindlichsten und der Lautstärkeanteil üblicher Geräusche hinter einer Wand am größten.


Schalldämmung

Grundsätzlich erfolgt Schalldämmung durch Masse, also je schwerer und dicker ein Bauteil, desto besser die Schalldämmung. Als Berechnungsgrundlagen dienen folgende zwei Kenngrößen:

  • flächenbezogene Masse m’, welche das Gewicht eines Bauteiles pro Quadratmeter darstellt. Die flächenbezogene Masse wird aus Schichtdicke und Rohdichte der Baustoffe, aus denen die Schichten eines Bauteiles bestehen, ermittelt und in kg/m² angegeben.
  • Schalldämm-Maß R beschreibt, wie gut ein Bauteil imstande ist, den Schall zu dämmen und wird in dB angegeben. Damit ergibt ein höheres Schalldämm-Maß ein besseres Schalldämmvermögen.

Die Schallenergie schwächt sich durch den Übergang von der Luft in das Baueil, dann durch die Anregung der Bauteilmasse und schließlich durch den erneuten Übergang in die Luft ab.
Wird das Bauteil durch Körperschall direkt angeregt, ist die schalldämmende Wirkung naturgemäß geringer.

Luftschall

Luftschall ist der Schall, der sich in Luft ausbreitet. Zur Erzeugung von Luftschallwellen genügen geringste Energien. Luftschall entsteht durch Sprechen, Musizieren, laufende Maschinen, Verkehrsgeräusche u.ä.


Körperschall

Als Körperschall wird jener Schall bezeichnet, der sich in festen Stoffen, z.B. in Decken und Wänden eines Gebäudes, fortpflanzt. Er verändert sich durch Anregung der an die Wände angrenzenden Luftmoleküle zum Teil wieder in Luftschall. Im Bauwesen wird der Körperschall, der in der Hauptachse durch Gehen auf Decken entsteht, als Trittschall bezeichnet. Körperschall entsteht durch Gehen, Klopfen, Stuhlrücken, durch Aufzüge, Maschinen, Haushaltsgeräte u.ä.

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Berechnungsgrundlagen

Ermittlung des Luftschallpegels

Die durch Sprache oder Musik erzeugten Schallwellen in einem Raum treffen auf die umliegenden Wände und Decken, werden durch die Bauteile weitergeleitet und in benachbarte Räume abgestrahlt. Die Messung des Luftschallpegels erfolgt mittels eines Lautsprechers im Senderaum und eines Messgerätes im Empfangsraum. Der Schallpegel L in dB wird im Frequenzbereich zwischen 50 Hz und 5.000 Hz aufgezeichnet. Aus der Schallpegeldifferenz wird das Bau-Schalldämm-Maß R’w für Außenbauteile, beziehungsweise die Standardschallpegeldifferenz D’nT,W für Trennbauteile ermittelt.

R = Ls – Le + 10log S / A DnT= Ls – Le + 10log T / To

Ls : mittlerer Schalldruckpegel im Senderaum dB
Le: mittlerer Schalldruckpegel im Empfängerraum dB
S: Fläche des Trennbauteils in m³
A: äquivalente Absorptionsfläche des Empfängerraumes in m² A = 0,163 * V / T
T: Nachhallzeit des Empfängerraumes in Sekunden
To: Bezugshallzeit, für Wohnräume 0,5 Sekunden

Ermittlung des Trittschallpegels

Decken werden durch das Begehen, den Betrieb von Haushaltsgeräten etc. in Biegeschwingungen versetzt, die man in darunter liegenden Räumen hört. Die Messung des Trittschallpegels erfolgt mittels eines elektrisch betriebenen Hammerwerks im Senderaum und eines Messgerätes im Empfangsraum. Der Schallpegel L in dB wird dann mit einer einheitlichen Nachhallzeit von To = 0,5s in den Standard- Trittschallpegel L’nT umgerechnet.

LnT = L – 10log T / To

L : gemessener Schallpegel je Terz (Trittschallpegel im Empfangsraum)
A: äquivalente Absorptionsfläche des Empfängerraumes bestimmt aus der Nachhallzeit T
Ao: Bezugswert der Absorbtionsfläche (10m²)
T: Nachhallzeit des Empfängerraumes in Sekunden
To: Bezugshallzeit, für Wohnräume 0,5 Sekunden

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Anforderungen

Immissionsgrenzwerte

Grundsätzlich sollen Gebäude, die dem längeren Aufenthalt von Menschen oder dem Wohnen dienen, nur auf Standplätzen errichtet werden, an denen der zugehörige Immissionsgrenzwert gemäß untenstehender Tabelle nicht überschritten wird. Der am Standplatz des zu errichtenden Gebäudes tatsächlich herrschende Lärm ist zum Zeitpunkt der Planung durch normgemäße Messungen zu ermitteln oder aus Lärmkarten zu entnehmen.

Planungsrichtwerte für zulässige Immissionen (Immissionsgrenzwerte)

Baulandkategorie Gebiete & Standplätze Basispegel in dB bei Tag Dauerschallpegel in dB bei Tag Basispegel in dB bei Nacht Dauerschallpegel in dB bei Nacht
1 Ruhegebiet, Kurgebiet, Krankenhaus 35 45 25 35
2 Wohngebiet in Vororten, ländliches Wohngebiet, Schulen 40 50 30 40
3 städtisches Wohngebiet, Gebiet für Bauten land- und forstwirtschaftlicher Betriebe mit Wohnungen 45 55 35 45
4 Kerngebiete (Büros, Geschäfte, Handel, Wohnungen) Gebiet für Betriebe ohne Schallemission 50 60 40 50
5 Gebiet für Betriebe mit geringer Schallemission (Verteilung, Erzeugung, Dienstleistung, Verwaltung) 55 65 45 55

Wenn die Werte gemäß obenstehender Tabelle an einem Standplatz überschritten werden, ist nachzuweisen, dass:

- durch ausreichende Abschirmung (z.B. Schallschutzwände) der geforderte Wert eingehalten wird.

Soferne das nicht möglich ist:

- die Bebauung so erfolgt, dass Gebäudefronten mit den vor Lärm zu schützenden Räumen (Aufenthaltsräume in Wohnungen, Hotelzimmer, Klassenzimmer, Krankenzimmer etc.) von der Schallquelle abgewendet sind und der Immissionsgrenzwert nur an Gebäudefronten mit Räumen überschritten wird, an die keine Anforderungen gegen Schalleinwirkung gestellt werden (Stiegenhäuser, Sanitärräume, Abstellräume etc.).

Soferne das nicht möglich ist:

- die Außenbauteile einen der höheren Schallimmision entsprechenden Schallschutz (siehe Tabelle Mindestschallschutz von Außenbauteilen) aufweisen.

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Bauteilanforderungen

Bauteil RW L’nT,W
Geschosshäuser mit Wohnungen
Wohnungstrennwände 53
Wände neben Hausfluren und Treppenräumen 52
Wohnungstrenndecken und -treppen 54 53
Decken über Kellern, Hausfluren, Treppenräumen 52 53
Treppenläufe und -podeste 58
Türen von Treppenhäusern in Wohnungsflure 27
Schulen und Unterrichtsstätten
Wände zwischen Unterrichtsräumen und Treppenhäusern 47
Decken zwischen Unterrichtsräumen 55 53
Türen von unterrichtsräumen in Flure 53
Beherbergungsstätten, Krankenhäuser, Senatorien
Wände von Übernachtungs-, Kranken-, und Untersuchungsräumen 47
Decken allgemein 54 53
Treppenläufe und -podeste 58
Türen zu Untersuchungs- und Sprechzimmern 37
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Mindestschallschutz im Gebäudeinneren

Luftschallschutz in Gebäuden

Wände, Decken, Türen und Einbauten sind so zu bemessen, dass der Schallschutz zwischen den Räumen mindestens die in untenstehender Tabelle angegebenen bewerteten Standard-Schallpegeldifferenzen DnT,W in dB ergibt.

Lage der Trennbauteile DnT,W
ohne Verbindung durch Türen, Fenster o.ä.
DnT,W
mit Verbindung durch Türen, Fenster o.ä.
zwischen aneinander grenzenden Gebäuden 60
zwischen Wohneinheiten in Reihenhäusern 60
zwischen Aufenthaltsräumen von Wohneinheiten ausgenommen zwischen WE in Reihenhäusern 55 50
zwischen Aufenthaltsräumen einerseits und Nebenräumen von WE andererseits 55 50
zwischen Aufenthaltsräumen von Wohneinheiten einerseits und Betriebseinheiten andererseits 55 50
zwischen Betriebseinheiten 55 50
zwischen Aufenthaltsräumen von Wohn-, oder Betriebseinheiten einerseits und Erschließung andererseits 55 50
zwischen Nebenräumen von Wohneinheiten 50
zwischen Nebenräumen von Wohn-, oder Betriebseinheiten einerseits und Erschließung andererseits 50 35
zwischen Vorräumen von Wohn- und Büroeinheiten einerseits und dem Stiegenhaus andererseits 50 35
zwischen Aufenthaltsräumen von Wohneinheiten einerseits und Verkehrswegen andererseits 60
zwischen Betriebseinheiten einerseits und Verkehrswegen andererseits 55 38
zwischen Wohnungen und Räumen mit ähnlichen Ruheansprüchen einerseits und Gemeinschaftsräumen andererseits 55 50
zwischen Hotel-, Klassen-, oder Krankenzimmern oder Wohnräumen in Heimen 55 38
zwischen Hotel-, Klassen-, oder Krankenzimmern oder Wohnräumen in Heimen einerseits und dem Stiegenhaus oder Gang ndererseits 55 38


Erforderliche Trittschalldämmung in Gebäuden

Die Bauteile sind so zu bemessen, dass die Trittschallübertragung zwischen den Räumen mindestens die in untenstehender Tabelle angegebenen höchstzulässig bewerteten Standard-Trittschallpegel L´nT,W in dB ergibt.

Trittschallübertragung nT,W
zu Aufenthaltsräumen aus:
angrenzenden Gebäuden 46
Wohneinheiten in Reihenhäusern 46
Räumen in Wohngebäuden, Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und Gebäuden ähnlicher Nutzung, ausgenommen selten genutzte Räume 48
Betriebsstätten [1] 43
Stiegenhäuser, laubengänge udgl. in Wohngebäuden, Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und Gebäuden ähnlicher Nutzung 50
nutzbare Dachräume, Terrassen, Dachgärten, Balkone, Loggien u.ä. 53
für die Hausbewohner allgemein zugängliche Terrassen und Dachgärten 48
Räume in Verwaltungs- und Bürogebäuden, Kaufhäusern und Gebäuden ähnlicher Nutzung 48
zwischen Räumen
in Kaufhäusern und Gebäuden ähnlicher Nutzung 60
zu Nebenräumen sind um 5dB höher bewertete Standard- Trittschallpegel zulässig



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Erhöhter Schallschutz

Erhöhter Luftschallschutz

Erhöhter Luftschallschutz im Gebäudeinneren ist dann gegeben, wenn die bewertete Standardschallpegeldifferenz DnT,w um mindestens 3 dB höher ist als die jeweilige Mindestanforderung.


Erhöhter Trittschallschutz

Erhöhter Trittschallschutz ist dann gegeben, wenn der bewertete Standard-Trittschallpegel L’nT,w um mindestens 5 dB geringer ist als die jeweilige Mindestanforderung.

Normen

Die Folgenden Normen und Richtlinien sind für Gebäude und Gebäudeteile anzuwenden, welche dem längeren Aufenthalt von Menschen dienen und deren widmungsgerechte Nutzung einen Ruheanspruch bewirkt. Dazu zählen insbesondere Wohngebäude, Wohnheime, Bürogebäude, Beherbergungsstätten, Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Gebäude für religiöse Zwecke etc.

ÖNORM B 8115

Die ÖNORM B 8115 „Schallschutz und Raumakustik im Hochbau” gliedert sich in folgende Teile:

  • B 8115-1 Begriffe und Einheiten
  • B 8115-2 Anforderungen an den Schallschutz
  • B 8115-3 Raumakustik
  • B 8115-4 Maßnahmen zur Erfüllung der schalltechnischen Anforderungen


OIB Richtlinie 5 – Schallschutz

OIB Richtlinie 5 – Schallschutz

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Nachweise und Maßnahmen

Luftschallschutz bei einschaligen Wänden

Als einschalige Wand bezeichnet man Wände aus einer oder mehreren Schichten, die starr miteinander verbunden sind. Ihre Luftschalldämmung ist abhängig von der flächenbezogenen Masse m', der Biegesteifigkeit, der Dichtheit der Wand und von möglichen Flankenübertragungen. Eine Übertragung des Luftschalls findet bei einschaligen Wänden entweder durch direkten Schalldurchgang, oder durch die Längsleitung des Schalls über flankierende Nebenwege statt.


  • Flankenübertragung – entsteht durch Luftschall, der Wände, Decke und Boden eines Raumes zu Schwingungen anregt. Beeinflusst wird die Übertragung durch die Masse, die Biegesteifigkeit und die innere Dämpfung der flankierenden Bauteile, sowie die Ausbildung zwischen Trennbauteil und dem flankierenden Bauteil.Um eine bessere Schalldämmung zu erreichen, sollten die flankierenden Bauteile zumindest ein Flächengewicht von 300kg/m² aufweisen, oder mit einer Vorsatzschale versehen werden.Ein weitere Grund für ein schlechteres Schalldämm-Maß können Kabelkanäle, Lüftungsschächte oder Heizungsrohre in Brüstungen oder abgehängten Decken sein.

Luftschallschutz bei zweischaligen Wandkonstruktionen

Als zweischalige Wand bezeichnet man Wände aus zwei einzelnen, durch eine Luftschicht, oder eine weich federnde Dämmschicht getrennten Schalen. Ihre Luftschalldämmung ist abhängig von den Schallbrücken zwischen den Schalen, durch die Randeinspannung, die Hohlraumdämpfung, durch die Eigenfrequenz des Bauteiles und von möglichen Flankenübertragungen. Eine Übertragung des Luftschalls findet bei zweischaligen Wänden entweder direkt über die beiden Schalen, Schallbrücken, oder durch die Längsleitung des Schalls über flankierende Nebenwege statt.

  • Schallbrücken sind starre Verbindungen zwischen zwei Schalen eines Wandsystems, z.B. Mörtelbrücken, Fugenmasse, Rohrdurchführungen, Kanthölzer, Nägel, Schrauben, Profilbleche, Türrahmen usw. die sich vor allem zwischen biegesteifen Schalen sehr nachteilig auf die Schalldämmung auswirken.
  • Randeinspannung – darunter versteht man die Einbindung oder Verankerung von Wandschalen in Längswänden, Böden oder Decken, wodurch die Schalen biegesteifer werden und Körperschall von einer Schale auf die andere übertragen wird. Um dem entgegen zu wirken, sollte ein gedämpfter Wandanschluss z.B. durch eingelegte Mineralwolle oder Bitumenfilzstreifen ausgeführt werden.
  • Hohlraumdämpfung – im Hohlraum zwischen den beiden Schalen entstehen in der Luft Schwingungen, welche durch Überlagerung eine Verminderung der Dämmfähigkeit bewirken. Um diesen Effekt zu verhindern, sollte der Hohlraum zwischen den beiden Schalen mit weichen Dämmmaterialien ausgefüllt werden.
  • Eigenfrequenz – jedes Doppelwandsystem hat eine Eigenfrequenz, bei der die beiden Schalen gegeneinander schwingen, wobei die dazwischen liegende Dämmschicht zusammengedrückt wird. Abhilfe schafft eine Gewichtserhöhung der Schalen ohne dabei die Biegesteifigkeit zu erhöhen z.B. durch aufgeklebte Gips-, Holz-, oder Bleiklötze, schwere Bitumenpappe, Gummimatten oder Kunststoff-Schwerfolien.
  • Flankenübertragung bei flankierenden einschaligen Wänden kann durch ein Flächengewicht von zumindest 300kg/m² vermieden werden. Bei flankierenden zweischaligen Wänden gibt es folgende konstruktive Möglichkeiten:
    • die innere, dem Raum zugewandte Schale ist biegeweich und hat eine genügend tief liegende Eigenfrequenz gegenüber der äußeren Schale
    • der elastisch ausgebildete Stoß der flankierenden Elemente sollte beim Anschluss der Trennwand liegen

    • die raumseitige Schale kann am Anschluss der Trennwand unterbrochen werden oder der Hohlraum der flankierenden Wand wird mit Mineralfaserstoffen gedämmt und abgeschottet

    • auf der Raumseite wird eine zweilagige Beplankung angebracht
  • Flankenübertragung bei schwimmendem Estrich kann durch folgende konstruktive Möglichkeiten verhindert werden:
    • Trennwand isoliert auf den Rohfußboden stellen und den schwimmenden Estrich anschließen einbringen

    • die Trennwand wird mittels einer Schwelle, welche im Estrich eingelassen wird, montiert
    • der durchgehende Estrich wird aufgetrennt, darunter wird eine harte Dämmschicht oder eine Metallschiene verlegt und die Trennwand darauf gestellt

    • anstatt eines schwimmenden Estrichs wird ein Verbundestrich eingebracht und mit einem weich federnden Gehbelag versehen z.B. hochflorige Teppiche oder Kunststoff-Mehrschichtbeläge mit einer Filz-, Kork-, oder Schaumstoffunterlage, um die fehlende Dämmschicht zu ersetzen. Diese Möglichkeit sollte aber nur in Betracht gezogen werden, wenn umsetzbare Trennwände gewünscht werden.

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Wandkonstruktionen mit schweren, biegesteifen Schalen

Wände mit zwei schweren biegesteifen Schalen, werden vorwiegend als Haustrennwände mit durchgehender Trennfuge bei Einfamilien-Doppelhäusern und Einfamilien-Reihenhäusern verwendet.
Die Trennfuge sollte mindestens 20-30mm breit und mit mineralischen Faserdämmplatten ausgefüllt sein.

Wandkonstruktion mit biegeweicher Vorsatzschale

Schalldämmende Leichtkonstruktionen in Form von biegeweichen Vorsatzschalen (mit Hohlraumdämpfung) die auf weich federndem Dämmstoff gelagert werden nutzen den mehrfachen Übergang zwischen Luft und Bauteil und erreichen damit eine höhere Schalldämmung.
Die schwere, biegesteife Schale besteht entweder aus Beton, Mauerwerk oder Plattenwerkstoffen.
Als Materialien für die biegeweiche Schale stehen zum Beispiel Holzwolle-Leichtbauplatten, Gipskartonplatten, Sperrholz- oder Spanplatten zur Verfügung.
Montagemöglichkeiten für die biegeweiche Vorsatzschale:

  • Die Platte wird, vollständig getrennt von der schweren Schale, zwischen Decke und Fußboden bzw. zwischen die seitlichen Wände eingespannt.

  • Die biegeweiche Platte wird mit der Faserdämmschicht an der schweren Schale streifenförmig angesetzt

  • Die biegeweiche Schale wird auf einer Unterkonstruktion befestigt, die zwischen Fußboden und Decke eingespannt ist.

  • Die biegeweiche Platte wird mit einer Stützkonstruktion in Form einer Lattung o.ä. auf der steifen Schale befestigt

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Schallschutz bei Decken

Man unterscheidet zwischen einschaligen Decken und zweischaligen Decken.

  • einschalige Decken sind Massivdecken welche mit oder ohne Deckenauflage (Verbundestrich, Holzfußböden oder andere Gehbeläge) ausgeführt sind
  • zweischalige Decken bestehen aus einer Massivdecke oder einer Holzbalkendecke, ohne oder mit Deckenauflage (schwimmender Estrich, Holzfußböden oder andere Gehbeläge), mit einer abgehängten Unterdecke

Luftschalldämmung bei einschaligen Decken

Die Luftschalldämmung bei Massivdecken ist abhängig von dem Flächengewicht der Rohdecke und der Deckenauflage (Estriche und Gehbeläge).
Ähnlich wie bei Wänden, wirken sich auch bei Decken größere Hohlräume und flächig angebrachte Dämmplatten auf die Luftschalldämmung negativ aus.
Eine gute Luftschalldämmung wird erreicht, indem die Decke als doppelschaliges System wirkt z.B. durch einen federnd gelagerten Holzfußboden. Teppiche u.a. weichfedernde Bodenbeläge verbessern hingegen nur den Trittschallschutz.

Flächenbezogene Masse in kg/m² einschalige Massivdecke mit Verbundestrich und Gehbelag in dB einschalige Massivdecke mit schwimmendem Estrich in dB
500 55 59
450 54 58
400 53 57
350 51 56
300 49 55
250 47 53
200 44 51
150 41 49

Luftschalldämmung bei zweischaligen Decken

Die Luftschalldämmung bei zweischaligen Massivdecken ist abhängig von dem Flächengewicht der Rohdecke, der Deckenauflage (Estriche und Gehbeläge) und die Montage von abgehängten Unterdecken.
Wie zuvor bei den einschaligen Massivdecken wird eine gute Luftschalldämmung erreicht, indem die Decke als doppelschaliges System wirkt z.B. durch einen federnd gelagerten Holzfußboden oder die Einbringung eines schwimmenden Estrichs.
Eine weitere Möglichkeit besteht in der Montage einer Unterdecke, hier sollte allerdings folgendes beachtet werden um den Schallschutz zu verbessern:

  • die Schale sollte aus biegeweichen Materialien bestehen z.B. verputze Holzwolle-Leichtbauplatten, verputztes Streckmetall, Gipskartonplatten, Span-, oder Sperrholzplatten
  • der Abstand zwischen der Schale und der Massivdecke sollte zumindest 20-30mm betragen und mit Dämmmaterialien z.B. Mineralwolle ausgefüllt sein
  • die Berührungspunkte zwischen den beiden Schalen möglichst gering ist
  • der Abstand der Befestigungspunkte sollte zumindest 50cm betragen
  • die Unterdecke sollte schwingungsfähig befestigt sein
Flächenbezogene Masse in kg/m² Massivdecke mit Unterdecke Verbundestrich und Gehbelag in dB Massivdecke mit Unterdecke und schwimmendem Estrich in dB
500 59 62
450 58 61
400 57 60
350 56 59
300 55 58
250 53 56
200 51 54
150 49 52


Holzbalkendecken erreichen für gewöhnlich ein eher schlechtes Luftschalldämm-Maß, da die beiden Schalen normalerweise über die Balken direkt miteinander verbunden sind. Um solche Schallbrücken zu vermindern, kann entweder eine Dämmschicht unter den Fußboden gelegt, oder eine elastische Aufhängung der Unterdecke ausgeführt werden. Holzbalkendecken erreichen in Holzbauten einen Schalldämmwert von ca. 57dB, in Massivbauten ca. 55dB.

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Trittschalldämmung bei Massivdecken

Die übliche Form des Trittschallschutzes ist ein schwimmender Estrich aus einer fugenlosen weich federnden Dämmschicht, welche mit einer Schutzlage abgedeckt wird. Darauf wird die eigentliche Estrichschicht aus Zementbeton, Anhydrit oder Gussasphalt aufgebracht.
Die Randausbildung ist dabei immer frei beweglich auszubilden, da die Estrichschicht wenig biegesteif und daher extrem empfindlich gegenüber Schallbrücken ist. Der schwimmende Estrich bildet gleichzeitig den erforderlichen Luftschallschutz.

Deckenauflagen

Rohdecken weisen immer eine unzureichende Trittschalldämmung auf, darum bringt man einen schwimmenden Estrich, einen schwimmend verlegten Holzfußboden oder einen weichfedernden Gehbelag auf. Wobei die schwimmenden Böden sowohl die Luftschall-, als auch die Trittschalldämmung verbessern, die weichfedernden Gehbeläge hingegen nur die Trittschalldämmung.

schwimmende Estriche

Die Dämmwirkung von schwimmendem Estrich kann durch Schallbrücken erheblich vermindert werden. z.B. Kontakt mit der Wand oder Rohdecke durch unzureichende oder fehlerhafte Trennlagen; schallleitende Bauteile wie Rohre und Metallstützen führen ungedämmt durch den Estrich; harte Fußleisten Türzargen oder Ausgleichsspachtelmasse können ebenfalls Schallbrücken bilden.

schwimmende Holzfußböden

Trittschalldämmende Holzfußböden können entweder als Langriemenboden auf einer Lagerholz-Unterkonstruktion verlegt oder als Parkett auf schwimmendem Estrich oder Trockenunterböden geklebt werden.

weichfedernde Bodenbeläge

Zur Verbesserung der Trittschalldämmung können diese Bodenbeläge, z.B. Linoleum, PVC-Verbundbeläge, Nadelvlies u.ä., entweder direkt auf die Rohdecke mit Ausgleichsestrich, auf einem Verbundestrich oder auf einem schwimmenden Estrich verlegt werden.
Da weichfedernde Bodenbeläge nur eine Verbesserung der Trittschalldämmung bewirken, dürfen sie nur auf Decken aufgebracht werden, die bereits die erforderliche Luftschalldämmung aufweisen.

Trittschalldämmung bei Holzbalkendecken

Holzbalkendecken sollten grundsätzlich zweischalig aufgebaut sein, wobei die beiden Schalen nicht starr miteinander verbunden, sondern durch eine weichfedernde Konstruktion (z.B. Dämmschicht oder federnde Abhängung) getrennt sein sollen.

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Schallschutz bei Fenstern und Türen

Türen und Fenster mit ihren niedrigen Schalldämmwerten beeinflussen die Luftschalldämmung besonders negativ. Sie haben im Allgemeinen eine wesentlich geringere Schalldämmung als die Wände in die sie eingebaut sind. Daher stellen sie das schalltechnische schwächste Glied in einem Wandsystem dar. Selbst bei kleinem Flächenanteil der Öffnung liegt das resultierende Schalldämmmaß meist unter dem arithmetischen Mittel aus den Schalldämmmaßen von Wand und Öffnung.
Daher sind bei schlechter Schalldämmung stets zuerst die Dämmwerte der Fenster und Türen zu verbessern.

Tabelle bewertete Schalldämm-Maße üblicher Fenster und Türen

Bauteil Schalldämmmaß in dB
einfache Tür mit Schwelle ohne besondere Dichtung bis 20dB
schwere Tür mit Schwelle und guter Dichtung bis 30dB
Doppeltür mit Schwelle ohne besondere Dichtung bis 30dB
Schallschutztür bis 50dB
Einfachfenster ohne zusätzliche Dichtung bis 15dB
Einfachfenster mit guter Dichtung bis 25dB
Kastendoppelfenster ohne besondere Dichtung bis 25dB
Kastendoppelfenster mit guter Dichtung bis 30dB
Isolierverglasung 4/12 - 16/4mm bis 32dB

Einflussgrößen Luftschalldämmung bei Fenstern

  • Glasscheibendicke – die Schalldämmung steigt mit zunehmender Glasscheibendicke, aufgrund der damit verbundenen Gewichtserhöhung. Bei Doppelverglasungen sollten möglichst verschiedene Glasscheibenstärken verwendet werden – z.B. die Außenscheibe ist doppelt so dick wie die Innenscheibe – günstigere Dämmwerte um ca. 2-4dB
  • Glasscheibenabstand – die Schalldämmung ist umso besser, je größer der Abstand zwischen den beiden Scheiben gewählt wird. Eine weitere Verbesserung des Schalldämmwertes erreicht man, wenn statt Luft ein Gemisch aus Luft und Gas (z.B. Argon) einsetzt.
  • Randeinspannung – zwischen der Glasscheibe und dem Fensterrahmen sollte ein dauerelastischer Dichtstoff angebracht werden, um eine Körperschallübertragung zu vermeiden und damit die Scheibe bis zu einem gewissen Grad selbst schwingen kann.
  • Randdämpfung – um Eigenschwingungen des Lufthohlraumes zwischen den Scheiben zu vermeiden, empfiehlt es sich am Rand umlaufend schallschluckende Materialien (z.B. Mineralwolle) einzubauen und diese mit einem gelochten Metallblech, oder einer Hartfaserplatten abzudecken.
  • Wandanschluss – Hohlräume zwischen Blendrahmen und Mauerwerk (Anschlag, Sturz, Fensterbank) können z.B. mit Mineralwolle ausgefüllt und mit elastischer Dichtmasse abgedichtet werden.


Einflussgrößen Luftschalldämmung bei Türen

  • Abdichtung Türfalz – bei schalldämmende Türen müssen rings um das Türblatt alle Fugen abgedichtet sein. Geeignete Dichtungsmaterialien sind zum Beispiel: Moosgummi, Hohlgummi, PVC- oder Gummihohlprofile, PVC- oder Gummilippendichtungen oder Magnetbanddichtungen – diese Materialien sind alterungsbeständig, weich federnd und sind leicht auszuwechseln.
  • Abdichtung Bodenfuge – für eine optimale Abdichtung der Fuge zwischen Fußboden und Türkante bieten sich 3 Konstruktionslösungen an:
    • Türschwellenanschlag: Niveauunterschied zwischen 1 und 3cm zwischen den beiden Räumen – Anschlag an der Unterkante
    • Höckerschwelle: der Fußboden liegt in beiden Räumen auf gleicher Höhe – die Abdichtung erfolgt mittels einer leicht gerundeten Schwelle, welche in den Fußboden eingelassen oder aufgeschraubt ist. An der Unterkante der Türe befindet sich eine Lippen-, oder Lamellendichtung aus Gummi, welche den Schalldurchgang vermindert.
    • Automatische Absenkdichtung: diese kommt besonders bei barrierefreien Durchgängen vor, da kein Niveauunterschied oder eine Höckerschwelle zwischen den beiden Räumen nötig ist. Beim Schließvorgang senkt sich automatisch der Dichtungsstreifen auf der Unterkante der Türe bis zum Fußboden ab.
  • Abdichtung Wandanschluss – der zwischen Türfutter und Mauerleibung entstehende Hohlraum muss mit Mineralwolle o.ä. gut ausgefüllt sein und ist beidseitig mit dauerelastischem Kitt oder mit einem bitumengetränkten Schaumgummiband abzudichten.

Verschiedene Türblätter

  • einschalige Türblätter bestehen aus mehreren biegesteifen, fest miteinander verbundenen Materialschichten und können kleinere Hohlräume zwischen den einzelnen Schichten aufweisen. Um eine gewisse Dämmwirkung zu erreichen sollten Türen möglichst schwer sein, jedoch sollten Türblätter ein Gewicht von 100kg nicht überschreiten, da sonst der Kraftaufwand für das Öffnen und Schließen zu groß wäre.
  • doppelschalige Türblätter erreichen ein geringeres Flächengewicht als einschalige Türblätter. In der Regel bestehen solche Türblätter aus möglichst biegeweichen Materialien (z.B. Sperrholzplatten, Span- oder Holzfaserplatten) welche zusätzlich an den Innenseiten mit Materialien wie Gummi, Bleiblech, Schalldämmplatten, Sand oder schwerer Bitumenpappe beschwert werden, ohne dadurch allerdings ihre Biegeweichheit negativ zu beeinflussen. Die Hohlräume zwischen den einzelnen Schalen sind immer mit Mineralwolleplatten o.ä. auszukleiden – von der Verwendung von losem Dämmmaterial (z.B. Einblasdämmstoffe aus Zellulose-, Steinwolleflocken oder EPS-Granulat) wird abgeraten, da diese mit der Zeit durch Erschütterungen, wie das Schließen der Türe, absacken und somit ihre Dämmwirkung verlieren würden.
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häufige Mängel

Bei Schallmessungen in Gebäuden ergeben sich immer wieder unzureichende Schalldämmwerte. Die Ursachen liegen fast immer in Planungs- und Ausführungsfehlern, die nachträglich kaum behebbar sind.

Häufig auftretende Mängel sind nachfolgend beispielhaft angeführt:

- Mörtellücken in Lager- und Stoßfugen, bzw. in den Mörteltaschen
- Kamine und Lüftungsschächte in Trennbauteilen (z. B. Wohnungstrennwand)
- Rohrdurchführungen und Bohrlöcher durch Trennbauteile
- Schlitze und Nischen in Stiegenhaus- und Wohnungstrennwänden
- Verkleidungen und Platten mit ungünstiger Steifigkeit, z. B. Hartschaumstoffe zum Zweck der Wärmedämmung
- starre Befestigung (z. B. vollflächiges Ankleben) biegeweicher Vorsatzschalen
- mangelhafter Baukörperanschluß bei Fenstern und Türen
- mangelhafte Trennung von Wänden und Decken zwischen Reihenhäusern
- Fehler beim schwimmenden Estrich, wie z. B.: ungeeignete Trittschalldämmplatten; zu geringe Dämmstoffdicke durch Einbauten, Rohre etc; der Estrich ist von der Rohdecke oder von den Wänden, Türzargen, Rohrleitungen und dgl. nicht durchgehend getrennt;
- harte Gehbeläge (Parkett, keramische Fliesen und dgl.) sind starr an Wände, Türzargen, Rohrleitungen und dgl. angeschlossen;
- Planungsfehler oder nachträgliche Planänderungen, wie z. B. ungünstige Raumanordnung (z. B. Wohn- und Schlafräume grenzen an Aufzüge bzw. an Wände, die Sanitärinstallationen führen)

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Absorption

Im Gegensatz zum Schallschutz, sorgt die Absorption dafür, dass der Luftschall innerhalb eines lauten Raumes abnimmt, indem schallschluckende Maßnahmen ergriffen werden.
Unter Schallabsorption versteht man den Verlust der Schallenergie durch Reflexionen an den Begrenzungsflächen eines Raumes (Wände, Decke, Boden), an Gegenständen oder Personen im Raum.
Durch die Absorption der Schallwellen wird erzielt:
- die Halligkeit des Raumes nimmt ab
- der Schallpegel innerhalb des Raumes wird verringert
- die Verständlichkeit der Sprache wird erhöht

Durch das Auftreffen von Luftschallwellen auf einen festen Körper, wird ein Teil der Schallenergie in den Raum zurückgeworfen und der Körper wird in Schwingungen versetzt, wodurch der Körper seinerseits zu einer Schallquelle wird.
Die Schallwellen einer Lärmquelle werden so oft von den umliegenden schallharten Begrenzungsflächen abgestrahlt, bis ihre Schallenergie verbraucht ist. Jede Reflexion bedeutet dabei eine Steigerung des Lärmpegels innerhalb des Raumes. Somit wird der Direktschall der Lärmquelle noch zusätzlich durch ein diffuses Schallfeld überlagert, welches nicht selten noch stärker ist, als die eigentliche Lärmquelle.
Zur Verringerung solcher Reflexionen können entweder poröse Absorber oder Resonanzabsorber angewendet werden, beide Konstruktionsformen wandeln die auftreffende Schallenergie entweder in Wärme-, oder Bewegungsenergie um.


poröse Absorber

Bei porösen Absorbern dringt die auftreffende Schallenergie in die offenen Poren und Kanäle eine, wobei die schwingenden Luftmoleküle an den Porenwandungen reiben und somit ein Großteil der Schallenergie in Wärmeenergie umgewandelt wird.

Poröse Absorber sind leichte Materialien mit einer rauen, offenporigen Oberfläche, welche vor allem hohe Töne gut absorbieren.
Beispiele für poröse Absorber:
- Mineralfaserplatten
- Glasfaserplatten
- poröse Holzfaserplatten
- Moltoprenstoffe (Polyurethanschaum)

Eine weitere Möglichkeit bieten gelochte oder geschlitzte Platten, wobei der Lochanteil mindestens 15% der Plattenfläche auszumachen hat. Die Absorption steigt mit der Materialdicke an. Weiters wirkt es sich günstig auf die Schallschluckung aus, wenn die verwendeten Platten nicht aneinander stoßen, sondern mit Fugen verlegt werden.

Resonanzabsorber

Der Resonanzabsorber besteht aus dünnem Sperrholz, Spanholz oder Gipskartonplatten, welche mit Abstand an den Begrenzungsflächen befestigt werden und dadurch frei schwingen können. Die montierten Platten und der dahinter liegenden Luftpolster werden durch die einfallenden Schallwellen in Schwingung versetzt, wobei ein Großteil der Schallwellen in Bewegungsenergie der Platte umgewandelt wird.

Wenn poröse Absorber (Gipskartonplatten, Sperrholzplatten etc.) gelocht oder geschlitzt werden und dann mit Abstand an den Wänden oder der Decke angebracht werden, erzielt man besonders gute Absorptionen im Mitteltonbereich (Frequenz zwischen 400 und 800 Hz).


Schallabsorptionsgrad

Die Schallabsorptionsfähigkeit eines Materials oder einer Konstruktion wird durch ein Messverfahren ermittelt und mit den Schallschluckgrad α angegeben. Der Schallschluckgrad gibt das Verhältnis zwischen der nicht reflektierten Schallenergie zur anfallenden Schallenergie an.
0,0 = vollständige Reflexion der Schallenergie
0,5 = 50%ige Schallschluckung
1,0 = 100%ige Schallschluckung und somit keine Reflexion

Weiters hängt der Schallabsorptionsgrad von der Frequenz ab, welche die Schallenergie besitzt.
In der folgenden Tabelle werden exemplarisch einige Schallabsorptionsgrade für verschiedene Wand- und Deckenverkleidungen bei unterschiedlichen Frequenzen angegeben.

Material 125 Hz 250 HZ 500 Hz 1000 Hz 2000 Hz 4000 Hz
Poröser Putz
Sichtbeton oder glatter Putz auf Mauerwerk 0,01 0,01 0,02 0,02 0,02 0,05
Steinwolleputz 20mm 0,09 0,29 0,55 0,61 0,82 0,91
Spritzputz 25mm 0,05 0,10 0,20 0,55 0,60 0,55
Gipskartonplatten
ungelochte Gipskartonplatte, Deckenabstand 50mm, Hohlraum mit Mineralwolle gefüllt 0,35 0,12 0,08 0,07 0,06 0,07
ungelochte Gipskartonplatte, Deckenabstand 50mm, keine Hohlraumfüllung 0,32 0,7 0,05 0,04 0,05 0,08
gelochte Gipskartonplatte, Deckenabstand 50mm, Hohlraum mit Mineralwollefilz gefüllt 0,27 0,74 0,80 0,73 0,47 0,41
gelochte Gipskartonplatte 13% Lochanteil, Deckenabstand 450mm, Hohlraum mit Mineralwollefilz gefüllt 0,85 0,81 0,74 0,76 0,59 0,53
Mineralwolleplatten
20mm Dicke, ohne Deckenabstand geklebt 0,03 0,12 0,47 0,85 0,99 0,98
20mm Dicke, 50mm Deckenabstand 0,10 0,36 0,79 1,00 0,92 0,81
20mm Dicke, 200mm Deckenabstand 0,48 0,98 0,84 0,90 0,94 0,82
Kunststoff-Schaumplatten
Polyurethanschaum (Moltopren) 30mm Dicke, ohne Deckenabstand 0,11 0,16 0,34 0,95 0,94 0,93
Polystyrolschaum 10mm Dicke, 40mm Deckenabstand, Hohlraum mit Mineralwolle gefüllt 0,20 0,38 0,93 0,92 0,58 0,69
Polystyrolschaum 15mm dicke Lochplatte, 40mm Deckenabstand, Hohlraum mit Mineralwolle gefüllt 0,25 0,62 0,84 0,68 0,53 0,63
Polystyrolschaum 20mm Dicke, 40mm Deckenabstand, Hohlraum mit Mineralwolle gefüllt 0,20 0,38 0,93 0,92 0,58 0,69
Folien
poröse Akustikfolie (Micropor) aus Glas- oder Mineralfasern 6mm Dicke, 100mm Deckenabstand 0,20 0,56 0,77 0,71 0,54 0,56
poröse Akustikfolie (Micropor) aus Glas- oder Mineralfasern 8mm Dicke, 100mm Deckenabstand 0,21 0,67 0,93 0,85 0,56 0,61
weiche PVC Folie, 28g/m² vor 50mm dicker Mineralwolleschicht 0,13 0,53 0,92 0,99 0,80 0,73
einfache Holzschalung
Akustik-Profilbretter, 18mm dick, 90mm Breite, 30mm Hohlraum + 20mm Glasfaserplatte 0,07 0,25 0,83 0,72 0,35 0,35
Akustik-Profilbretter, 18mm dick, 90mm Breite, 200mm Hohlraum + 20mm Glasfaserplatte 0,38 0,73 0,49 0,47 0,37 0,33
Akustik-Profilbretter, 18mm dick, 90mm Breite, 400mm Hohlraum + 20mm Glasfaserplatte 0,60 0,51 0,47 0,41 0,31 0,29
Schalungsbretter, 12mm dick, 85mm Breite, 200mm Hohlraum + 30mm Mineralfaserplatte 0,60 0,85 0,80 0,82 0,70 0,62
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Interne Links

Quellen

"Neufert Bauentwurfslehre" 2005, 38. Auflage
ISBN 3-528-99651-X

„Physikalische Grundlagen – Bau und Energie“ von Hans Moor, hrg. von Christoph Zürcher, Band 1, Zürich / Stuttgart, 1993
ISBN 3-7281-1824-9

„Schallschutz – Wärmeschutz – Feuchteschutz – Brandschutz im Innenausbau“ Peter Schulz, Ausgabe 1996 Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt
ISBN 3-421-02995-4

"Mangelhafter Schallschutz von Gebäuden" von Prof.H. Baumgartner & DI(FH) R. Kurz, Fraunhofer IRB Verlag, 2003
ISBN 3-8167-5797-9

"Lärmbekämpfung in der Haustechnik" von DI HTL Walter Lips, Expert Verlag 1999
ISBN 3-8169-1642-2

"Lärmschutz in der Praxis" R.Oldenbourg Verlag München 1986
ISBN 3-486-26251-3

"Bauakustig! von Ivar Veit, Expert Verlag 1998
ISBN 3-8169-1609-0

"Lärm und Raumentwicklung" herausgegeben von der Österreichischen Gesellschaft für Raumplanung 2008
ISBN 978-3-7000-0664-0

"Ergebnisse zum Wohnbauforschungsprojekt Schützenstrasse 57, Innsbruck" von Ewald Kammeringer und Anton Kraler, University Press Innsbruck 2008
ISBN 978-3-902571-49-6

Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt

Umweltbundesamt

Land Tirol

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