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Flo Bergers Phänomen und Paradigma Seite

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Aufgabe 01: Phänomen? Paradigma? Digital?

Phänomen - Begriffsbestimmung

engl. phenomenon oder appearance; franz. phénomène; griech. phainomenon, das Erscheinende, etwas, das sich zeigt; Erscheinung


  • Platon unterscheidet zwischen Phänomen (Erscheinung) und Idee. Ein Pferd z. B. gehört zu den Phänomenen, während die Idee des Pferdes in dem besteht, was alle konkreten (und möglichen) Pferde als Pferde auszeichnet, ihrem gemeinsamen Wesen. Die Idee ist ewige Einheit, immer dieselbe und unveränderlich; die Phänomene dagegen sind mannigfaltig, verstreut in Zeit und Raum, verschieden und dauernder Veränderung unterworfen. Nur dem Anschein nach liegt daher in den Phänomenen Wirklichkeit; die eigentliche Wirklichkeit ist die Idee. Sie läßt sich mit Hilfe der Vernunft schauen, während die Phänomene an das unsichere Zeugnis der Sinne gebunden sind. Im Platonismus rückt das Phänomen in eine Nähe zum bloß Scheinhaften; allerdings steht und fällt diese Deutung mit der Lehre von den dahinterstehenden ewigen Ideen als der eigentlichen Wirklichkeit. Wird sie aufgegeben, erhält das Phänomen zwangsläufig einen anderen Status.
  • Für den naiven Realismus gibt es zwischen den wahrnehmbaren Phänomenen und der Wirklichkeit, wie sie an sich ist, keinen Unterschied. Beides ist unmittelbar identisch.
  • Der kritischen Realismus definiert dagegen die Phänomene als Bewußtseinszustände, die durch die Wahrnehmung und in ihr gegeben sind. Sie spiegeln die dahinterstehende Wirklichkeit nicht unmittelbar wider. Aber sie sind Zeichen dafür: Aus der Art, in der die Phänomene auftreten, läßt sich die Wirklichkeit erschließen.
  • Eben dies bestreitet Kant. Phänomen ist für ihn "Erscheinung", Gegenstand der Erfahrung, das Ding, wie es sich dem Wahrnehmenden zeigt. Wie es als "Ding an sich", d.h. unabhängig von aller Wahrnehmung, beschaffen ist und welches Verhältnis es zwischen dem Ding an sich und dem Ding als Erscheinung gibt, darüber kann nichts gewußt werden.
  • Noch einen Schritt weiter geht der Phänomenalismus. Er verneint sogar die Existenz des Dings an sich. Die Wirklichkeit besteht in nichts anderem als den wahrgenommenen (oder wahrnehmbaren) Phänomenen selber.
  • Die Phänomenologie des 20. Jh. klammert die Frage, ob es über die Phänomene hinaus etwas gibt, ein. Zugleich wird der Begriff Phänomen ausgeweitet und umfaßt nun alles, was einem Bewußtsein direkt gegeben sein kann.


Video:

Otto Waalkes - Das Phänomen der Schräge http://www.youtube.com/watch?v=ncD4YEn4de8


Quellen:

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ERZIEHUNGSWISSENSCHAFTGEIST/PhaenomenBegriff.shtml

H. Barth: Philos. der Erscheinung, 2 Bde., 1947/59.

J. Mittelstraß: Die Rettung der Phänomene, 1963.

H. R. Schweizer/A. Wildermuth: Die Entdeckung der Phänomene, 1981.

Philosophielexikon/Rowohlt-Systhema


Paradigma - Begriffsbestimmung

gr. parádeigma, aus parà „neben“ und deiknymi zeigen, begreiflich machen


Das Wort Paradigma bedeutet Beispiel, Vorbild, Muster oder Abgrenzung, Vorurteil; in allgemeinerer Form auch Weltsicht oder Weltanschauung.

Seit dem späten 18. Jahrhundert verwendet man das Wort Paradigma, um damit eine bestimmte wissenschaftliche Denkweise oder eine bestimmte Art der Weltanschauung zu bezeichnen. Der Begriff des Paradigma wurde von Georg Christoph Lichtenberg eingebracht. Im klassischen Deutsch kann man den Begriff auch im Sinne unterschiedlicher (wissenschaftlicher) Schulen verwenden. Ein gutes Beispiel für eine solche „grundlegende Weltsicht“ sind das geozentrische Weltbild (Ptolemäus) oder das heliozentrische Weltbild (Nikolaus Kopernikus).

Die gebräuchlichste Verwendungsweise des Wortes in diesem Zusammenhang geht jedoch auf den amerikanischen Wissenschaftstheoretiker Thomas Samuel Kuhn (1922 - 1996) zurück, der darunter „Lehrmeinung” versteht und damit einen Satz von Vorgehensweisen beschreibt. In seinem Buch Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen definiert er ein wissenschaftliches Paradigma als:


_das, was beobachtet und überprüft wird

_die Art der Fragen, welche in Bezug auf ein Thema gestellt werden und die geprüft werden sollen,

_wie diese Fragen gestellt werden sollen

_wie die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung interpretiert werden sollen


Kuhn meint mit Paradigma also ein vorherrschendes Denkmuster in einer bestimmten Zeit. Paradigmen spiegeln einen gewissen allgemein anerkannten Konsens über Annahmen und Vorstellungen wider, die es ermöglichen, für eine Vielzahl von Fragestellungen Lösungen zu bieten. In der Wissenschaft bedient man sich in diesem Zusammenhang auch oft Modellvorstellungen, anhand derer man Phänomene zu erklären versucht.

Nach Kuhn ist ein Paradigma solange anerkannt, bis Phänomene auftreten, die mit der bis dahin gültigen Lehrmeinung nicht vereinbar sind. Dann werden neue Theorien aufgestellt, die sich manchmal sofort durchsetzen, manchmal erst nach längeren Diskussionen zwischen Verfechtern verschiedener Lehrmeinungen. Das Sich-Durchsetzen einer neuen Lehrmeinung oder den Prozess des Meinungsumschwungs bezeichnet man als Paradigmenwechsel.

Jens Asendorpf (1950) definiert 2009 den Begriff wie folgt: Ein Wissenschaftsparadigma ist ein einigermaßen zusammenhängendes, von vielen Wissenschaftlern geteiltes Bündel aus theoretischen Leitsätzen, Fragestellungen und Methoden, das längere historische Perioden in der Entwicklung einer Wissenschaft überdauert.


Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Paradigma


Paradigma und Syntagma

Ein Paradigma kann auch eine einzigartige Sammlung von Zeichen sein. Unter Anwendung der passenden Regeln können aus den Paradigmen zusammengesetzte Zeichen oder Syntagmen gebildet werden. Dieses gedankliche Konzept von Paradigma und Syntagma liegt vielen semiotischen Ansätzen in der Kommunikationswissenschaft zugrunde.


Beispiel Eins, Ein Pradigma aus verschiedenfärbigen Lichtern


_Beispiel Eins

Die Elemente eines Paradigmas selbst haben an und für sich nicht unbedingt eine Bedeutung. Meist erhalten sie erst eine Bedeutung, wenn sie zu komplexeren Mustern, zu so genannten Syntagmen zusammengefügt werden. In der folgenden Abbildung sehen Sie zum Beispiel drei Syntagmen, die aus dem Paradigma der verschiedenfärbigen Lichter gebildet werden könnten.



Beispiel Zwei, Aus dem Paradigma gebildete Syntagmen


_Beispiel Zwei

Syntagmen können ziemlich rasch recht komplex werden. In obigem Beispiel befinden sich im Paradigma sechs Elemente - Lichter in drei Farben. Und jedes der Lichter ist entweder ein- oder ausgeschaltet. Das spezielle Set von Syntagmen oben ist nur eines von vielen, die vom Paradigma hergeleitet werden könnten.



Beispiel drei, Zusätzliche Syntagmen, die vom selben Paradigma hergeleitet wurden.




_Beispiel Drei

Viele unterschiedliche Regeln können zur Bildung von Syntagmen angewandt werden. In unserem Beispiel beziehen sich die Regeln auf die Anzahl der Lichtfarben (es wird nie mehr als eine Farbe verwendet), auf die Position der Lichter (in diesem Fall sind die Lichter vertikal angeordnet) und das Aufleuchten der Lichter (es ist nie mehr als ein Licht zur selben Zeit eingeschaltet).





Die Regeln zur Bildung eines Syntagmas können nur auf die Elemente eines Paradigmas angewandt werden. Elemente außerhalb des Paradigmas können nicht einbezogen werden.


Quellen:

http://www.mediamanual.at/mediamanual/workshop/kommunikation/bedeutung/paradigma.php


Digital - Begriffsbestimmung

[DIGITIZE! What else?]

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Stephen Wiltshire draws Rome from memory

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