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Flachdächer

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Inhaltsverzeichnis

Definition

Flachdächer sind Dachflächen mit einer Neigung unter 5° mit einem mehrschichtigen Dachaufbau, anstelle einer Dachdeckung. Sie sollten mit einem Mindestgefälle von 2% (besser 5%) ausgeführt werden damit sich kein Wasser ansammeln und gefrieren kann oder der Wuchs von Pflanzen und Algen gefördert werden kann.


Klassischer Aufbau eines Flachdaches

Im Normalfall ist die Decke des obersten Geschoßes Teil der Dachkonstruktion. Hierbei handelt es sich um Stahlbetonmassivplatten, Profilbleche, Stahlbetontragwerke oder Holzdachkonstruktionen. Dachtragwerk und Dachaufbau bedingen sich gegenseitig und werden bei der Planung als Einheit betrachtet. Flachdächer werden nach ihrem konstruktiven Aufbau unterteilt in Warmdach, Kaltdach, Umkehrdach.

Datei:KlassischerAufbau_JJKM.gif

Oberflächenschutz:

Als schwerer Oberflächenschutz

- Kiesschüttung größer 5cm,

- Plattenbelag in Splitbett

- Extensive Begrünung

Als leichter Öberflächenschutz

- Werkseitige Bestreuung der Bitumenbahn


Schutzlagen:

- PVC Schutzbahnen

- Synthetische Vliese

- Bautenschutzmatten aus Gummigranulat

- Dachbegrünung: Wurzelschutz


Dachabdichtug:

- Mehrlagig: aus Bitumen – und Plolymerbitumenbahnen (vollflächig untereinander verklebt)

- einlagig: aus Kunststoff und Elastomer-Dichtungsbahnen

Datei:Bitumenbahnverlegung JJKM.jpg

Datei:Bitumenbahnen JJKM.jpg


Dampfdruckausgleichsschicht:

- Rippenpappe

- Bitumenlochbahn gegen Blasenbildung infolge verdunstender Restfeuchtigkeit der Bauteile darunter


Dämmung:

- Wärmedämmplatten (Kork, Hartschaum, Faserdämmstoffe, Schaumglas)


Trenn und Ausgleichsschicht:

- meist lose aufgelegt, direkt auf die Unterkonstruktion

Über Betondachdecken ist eine Ausgleichsschicht (Trenn- schicht) erforderlich, um betonübliche Biegerisse zu überbrücken. Bei vollflächiger Verklebung würde ein entstehender Riss die zulässige Dehnung zul ε der Dichtungsbahn insbesondere bei tiefen Außentemperaturen überschreiten, so dass der Riss sich in der Bahn fortsetzt. Datei:Ausgleichsschicht JJKM.jpg

Anwendungsgründe

- geringes Eigengewicht der Dachhaut

- Schaffung von Nutzungsfläche (Dachterrassen, begrünte Flächen, Parkdecks, leichte Zugänglichkeit, Erschließungs - und Verkehrswege usw.)

- gestalterische Freiheit im Grundriss (auch für spätere Erweiterungen)

- Nutzung des Daches zur Aufstellung technischer Anlagen

- erleichterte Reperaturen und Wartungsarbeiten

- kostengünstig

- geringere Angriffsfläche bei Stürmen


Konstruktion: Tragwerk

Grundsätzliche Unterscheidung in flächige und linienförmige Tragwerke


- Flächentragwerke

sind ein – oder zweiachsig gespannte, linien oder punktförmig gelagerte ebene Bauteile mit Belastungen quer zu ihrere Ebene (z.B. Deckenplatten, Roste, räumliche Fachwerke)


- Linientragwerke

sind Tragwerke aus parallel verlegten Trägerelementen (z.B. Vollwandträger, Fachwerkträger, unterspannte Träger) und in Trägerrichtung nicht mittragenden Zwischenbauteilen (z.B. Nebenträger mit Schalung) zum Einleiten der Dachlast.


Beide Tragwerkstypen werden neben dem Material in unterschiedliche Grade der Auflösung der Tragwerksteile unterschieden:


- Platten:

Ebene Massivplatten aus Stahlbeton


- Binderkonstruktionen:

Linientragwerke: - handelsübliche Trägerelemente aus Holz-Stahlprofilen bzw. Fertigteile aus Stahlbeton mit Zwischenbauteilen

- Bei größeren Spannweiten Fachwerkträger

- Zusätzliche Abspannungen und Unterspannungen dienen dazu die Querschnitte der Tragprofile zu verringern


- Trägerroste

aus Trägern zusammengestzte Flächentragwerke mit großen Spannweiten


- Räumliche Tragwerke

sind eine Weiterentwicklung ebener Trägerroste




Durchbiegungen infolge von Belastungen


Datei:Durchbiegung_JJKM.jpg

Beanspruchung infolge von Windsog


Aufbau-Arten

Warmdach (nicht belüftetes Dach)

Datei:Warmdach1_JJKM.gif

Das einschalige , nicht belüftete Flachdach ist die heute am häufigsten ausgeführte Konstruktion von Flachdächern. Die Dachhaut wird bei dieser Bauweise direkt auf die Dämmmschicht aufgebracht. Die Wärmedämmung wird nach unten, zur Raumseite hin, durch eine Dampfspere von der durch die Decke diffundierenden Feuchtigkeit geschützt. Ausserdem muss die in einem Gebäude entstehenede Luftfeuchtigkeit über eine Belüftung abgeführt werden, da sich durch die kondensierende Luftfeuchtigkeit Schimmel bilden kann. Sammelt sich Feuchtigkeit in der Wärmedämmung verliert diese ihre Funktion. Im Sommer wird die in der Sonne liegende Dachoberfläche wärmer als die Luft und die Dämmstoffschicht lässt diese Wärme nur verzögert in den Wohnraum dringen.

Datei:Warmdach2_JJKM.jpg

Datei:Warmdach3_JJKM.jpg


Umkehrdach

Datei:umkehrdach1_JJKM.gif

Beim Umkehrdach ist die Wärmedämmung oberhalb der Dachabdichtung angebracht.. Es handelt sich hierbei um eine Form des Warmdaches. Die Dämmung muss wasserfest sein, d.h. sie darf weder Wasser aufnehmen, noch quellen, noch schrumpfen (keine Mineralwolle da sie sich vollsaugen würde) Geeignetes Dämmmaterial für Umkehrdächer wäre extrudiertes Polystyrol.


Datei:umkehrdach2_JJKM.jpg

Datei:umkehrdach3_JJKM.gif

Vorteile:

- keine Abhängigkeit von der Witterung in den weiteren Bauphasen ab der Abdichtung

- lose verlegte Dämmstoffplatten ermöglichen einfachen Rückbau (sogar wiederverwendung der Platten)

- nach Dämmplattenverlegung keine Aufheizung der Abdichtung durch die Sonneneinstrahlung

- Schutz vor mechanischen Einwirkungen der Abdichtung durch darüberliegende Dämmung

- Verminderung der Blasenbildung in Abdichtung (erzeugt durch eingeschlossene Feuchtigkeit)

- Keine Dampfsperre nötig

- Zugänglichkeit aller Bauteilschichten für Wartung und Reperatur

Nachteil:

- Wärmeverlust durch bei Regen unter die Wärmedämmung fließendes kaltes Wasser zu verhindern durch:

wasserableitender Trennlage oberhalb der Dämmschicht



Kaltdach (belüftetes Dach

Datei:Kaltdach1_JJKM.gif

Im Gegensatz zum Warmdach besteht das sogenannte Kaltdach aus einer zweischaligen hinterlüfteten Dachkonstruktion. Der durch diese Hinterlüftung entstandene Hohlraum befindet sich über der Wärmedämmung. Die Wärmedämmschicht ist soweit von der Abdichtungsschicht entfernt, dass dazwischen ein trockener Luftraum entsteht. Die entstandene Hinterlüftung kühlt die im Sommer durch Sonneneinstrahlung aufgewärmte Dachhaut mit kalter Außenluft.

Datei:Kaltdach3_JJKM.jpg


Datei:Kaltdach2_JJKM.jpg


Datei:Kaltdach4_JJKM.jpg

Vorteile:

- besserer sommerlicher Wärmeschutz als bei Warmdach

- Luftzirkulation im inneren des Daches

- Abfuhr von Kondensat


Nachteile:

Hinterlüftung darf nicht blockiert werden durch z.B.:

- Träger quer zur Lüftungsebene

- Aufquellende Dämmung


- Lüftungsöffnungen dürfen nicht durch äußere Einflüsse blockiert werden durch Baüme im Garten

- Im Brandfall, schnellere Ausbreitung vom Feuer


Kaltdach Vartiante Holzbau

Datei:Kaltdach_holz_JJKM.jpg


Kaltdach Variante Massivbau

Datei:Kaltdach_massiv_JJKM.jpg


Nutzungen

Nicht genutzte Flachdächer (die nur zur Wartung betreten werden)


Nacktdach

Bei Nacktdächern wird die Schutzschicht (Bescherung) weggelassen

Der Belag muss sich bezüglich UV-Beständigkeit, Windkraft, Regen eignen

Nacktdächer sind auf Beanspruchung empfindlich und sollen nicht begangen werden, zudem sind sie Bewilligungspflichtig und müssen regelmäßig auf Dichtheit überprüft werden

Der Aufbau der Dichtschicht kann sowohl Bituminös als auch aus Kunststoffschichten sein


Genutzte Flachdächer


begehbar (Dachterrasse)

Datei:Begehbar_JJKM.jpg


Terrassendach

Datei:Terasse.JM.jpg

1) Steinplatten

2) Kies

3) Elastomerbitumen (Bitumenschweißbahn beschiefert)

4) Elastomerbitumenbahn

5) Dämmung

6) Dampfsperre

7) Voranstrich

Konstruktionsschicht Stahlbeton


befahrbar (z.B. Parkdeck)

Datei:Befahrbar_JJKM.jpg



Begrünte Flachdachflächen


Gründächer sorgen im Winter wie im Sommer für einen angenehmen Temperaturausgleich und senken den Schallpegel erheblich.

Ausserdem halten sie einen Großteil der Niederschläge zurück und geben Überschusswasser zeitverzögert ab.

Bauphysikalische Vorteile (UV-Strahlungen und starke Temperaturschwankungen werden verhindert)

Staubbindung

Gestaltungselement, Lebensqualitätsverbesserung, Rückgewinnung von Grünflächen

Dämmung durch die Luftschicht zwischen dem Gras und durch die Erdschicht mit dem Wurzelwerk

Luftverbesserung in Ballungsgebieten

Werden als nicht belüftete Konstruktion bzw, als Umkehrdach ausgeführt

Datei:Gründach_JJKM.jpg

Vegetationsschicht: es werden Blähton und Blähschiefer verwendet, sie bieten:

- Strukturstabilität

- Bodenbelüftung

- Wasserspeicherung

- Bodenmodellierung


Filterschicht:

- verhindert die Verschlammung der Dränschicht und besteht aus Filtermaterial


Dränschicht:

- verhindert die Überwässerung der Pflanzen, Material (Fadengeflechtmatten, Schaumstoffdränbahnen, Kunststoffplatten, Schutzbaustoffe)


Trenn und Schutzschicht:

- schützt wärend der Bauphase gegen Punktbeladung


Wurzelschutzschicht:

- Wurzelwerk wird mit PVC / ECB und EPDM – Bahnen abgehalten


extensive Begrünung (anspruchsloser, niedriger, pflegearmer Bewuchs)

intensive Begrünung ( anspruchsvoller Bewuchs unterschiedlich nach Höhe und Pflegeaufwand)


extensive Dachbegrünung

- Pflegefreier bewuchs (Gras, Gräser)

- naturnah angelegte Begrünung, die sich weitgehend selbsterhalten und weiterentwickeln

- trockenheitsresistentere Pflanzen

- geringere Schichthöhe: Vegetationsschicht (höchstens 15 cm), Wurzelschicht

- eine Nutzung als Garten bzw. zum ständigen Aufenthalt ist nicht möglich

Datei:ExtensiveDachbegrünung_JJKM.gif



intensive Dachbegrünung

- aufwendiger als extensive Begünung (Bewässerung, Nährstoffe)

- Pflanzen mit größeren Wurzeln (Sträuche)

- Höhere Schichthöhe: Vegetationsschicht (mind.15 cm), Wurzelschutzschicht

- Nutzung und Begehung möglich (Dachgarten)

Datei:IntensiveDachbegrünung_JJKM.gif



Dachrandabschluss Datei:Dachrandabschluss_JJKM.jpg


Entwässerung

um Gefälle zu erzeugen:

- Gefällebeton (Gewichtszunahme) – Normalbeton, Leichtbeton

- Holzkonstruktionen mit ansteigender Lattung

- Gefälledämmplatten

Das Mindestgefälle sollte 2% (3°) betragen um das Wasser ableiten zu können


Gefällebeton

Datei:Gefällebeton_JJKM.jpg


Gefälledämmplatten

Datei:Gefälledämmplatten_JJKM.jpg


ansteigende Lattung

Datei:AnsteigendeLattung_JJKM.jpg


Verschiedene Dachentwässerungsarten

a) Nach außen (zweiseitig)

b) Nach außen (einseitig)

c) Nach innen

Datei:Dachentwässerung_JJKM.jpg


Bei innenliegenden Entwässerungsanlagen unterscheidet man Anlagen mit

- Punktentwässerung (typ. Gullys) und

- Anlagen mit linienförmiger Entwässerung (typ. Trogrinnen).

Beide können als Freispiegelentwässerungs- oder Druckentwässerungsanlage ausgeführt werden.

Datei:Freispiegelunddruckentwässerung_JJKM.jpg

Datei:Innenentwässerung_JJKM.jpg


Dachgully Datei:Gulli_JJKM.jpg


Datei:Notüberlaufgully_JJKM.jpg


Hierzu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:


(1) Flachdach ohne Gefälleausbildung

Datei:Entwässerung1_JJKM.jpg


(2) Flachdach mit Sattelgefälle

Datei:Entwässerung2_JJKM.jpg


(3) Flachdach mit Sattelgefälle und Graben

Datei:Entwässerung3_JJKM.jpg


(4) Flachdach mit Innengefälle: Wannenausbildung

Datei:Entwässerung4_JJKM.jpg


(5) Flachdach mit Innengefälle: Trichterausbildung

Datei:Entwässerung5_JJKM.jpg


(6) Flachdach zwischen Satteldächern

Datei:Entwässerung6_JJKM.jpg


Quellen und Weblinks

- "Neufert Bauentwurfslehre", 39. Auflage, Vieweg + Teubner

- "Atlas Flache Dächer - Nutzbare Flächen", Busse, Waubke, Grimme, Mertins

- Flachdach (Umkehr) + Entwässerung, aus exp. wiki

- Flachdach (kalt), aus exp. wiki

- Flachdach (warm), aus exp. wiki

- www.dataholz.com

- www.baunetzwissen.de/standardartikel/Flachdach

- www.optigruen.de

- www.wikipedia.de

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