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Canary Wharf

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Architekt Verschiedene
Detail
Fertigstellung 1972
Image Bild:CanaryWharf Skyline.jpg
Ingenieur Verschiedene
Auftraggeber Olympia and Yorke
Ort Isle of Dog, Stadtbezirk London Borough of Tower Hamlets
Primärtragstruktur Stahl,Glas
Gebäudetyp Wirtschaft.Industrie.Dienstleistungen
Skyline
Quelle: Google_Bilder
Wolkenkratzer
Quelle: Google_Bilder
Docklands
Quelle: Google_Bilder
Quelle: Google_Bilder

Architekten:
Skidmore, Owings & Merrill
Pei Cobb Freed & Partners
Kohn Pedersen Fox
César Pelli
Throughton McAslan
Norman Foster
Richard Rogers

Bauträger:
Olympia and Yorke

Baubeginn:
1988

Canary Wharf ist heute als wichtiges Geschäftsviertel Londons bekannt. Es befindet sich in den Londoner Docklands, auf der Isle of Dog, im Stadtbezirk London Borough of Tower Hamlets.

Die Docklands, vormals Hafengebiet, sind heute gekennzeichnet durch riesige Bürogebäudekomplexe. Unter anderen findet man hier die drei höchsten Gebäude Großbritanniens vor: One Canada Square (auch als Canary Wharf Tower bekannt), HSBC Tower und Citigroup Centre.

Wirtschaft

Neben den drei höchsten Gebäuden Großbritanniens haben sich in Canary Wharf wichtige Finanzinstitutionen wie die Bank of Amerika, Barclays Bank, Credit Suisse, Lehman Brothers, Morgan Stanley, der Europa-Hauptsitz von Texaco und die britische Finanzaufsicht FSA angesiedelt. Damit steht Canary Wharf in ständiger Konkurrenz mit dem historisch gewachsenen Finanzzentrum in der City of London.

Zu den Finanzzentren haben sich bedeutende Medienunternehmen wie The Daily Mirror, Daily Telegraph, Reuters und The Independent in Canary Wharf angesiedelt.

Seit der Eröffnung des Jubilee Place-Einkaufszentrums, im Jahr 2004, entwickelt sich Canary Wharf ebenso immer mehr zu einem exklusiven Einkaufsviertel. Bis dato wurden hier über 200 Läden errichtet, in denen sich neben den 4.500 Verkaufsangestellten jede Woche rund 500.000 Kunden tummeln.

Verkehr

Durch die vollautomatische Stadtbahn Docklands Light Railway (DLR, Station seit 1991) und die Jubilee Line der London Underground verfügt das Viertel über eine ausgezeichnete Verkehrsanbindung. Die 1999 eröffnete Canary Wharf Underground Station kann zudem sowohl durch ihre Kapazität sowie durch ihre ansprechende architektonische Gestaltung als Vorzeigeobjekt der Londoner U-Bahn-Stationen bezeichnet werden.

Seit Dezember 2005 kann von hier aus mit der erwähnten DLR auch der Flughafen London City in weniger als 15 Minuten erreicht werden. Somit stellt die Bahn eine attraktive Alternative zu Bussen und Taxis dar.

Weitere Verbindungen in Richtung Innenstadt stellen die Schiffe der Themse, die so genannten Thames Clipper, her. Diese verkehren wochentags im 20-Minuten-Rhythmus. Als Anlegestelle dient der Canary Wharf Pier.

Geschichte

Canary Wharf war der ehemalige Hafen Londons und als solcher Standort von Lagerhäusern. Dem Seehandel mit den Kanarischen Inseln, welcher von hier aus abgewickelt wurde, verdankt das Viertel seinen heutigen Namen.

Nachdem seit 1960 rund 20 Jahre lang das Hafengebiet scheinbar dem Verfall preisgegeben war, beschloss 1981 die britische Regierung mittels eines neuen Programms das Gebiet (mit einer Fläche von 21 km²) neu zu beleben. Zur Umsetzung und Koordination dieses Programms wurde die Entwicklungsgesellschaft LDDC (London Docklands Development Corporation) gegründet. Zu Beginn siedelten sich vor allem Leichtindustriebetriebe und sowie ein TV-Produktionsstudio an.

Von Michael von Clem, dem Vorsitzenden der Investmentbank Credit Suisse First Boston, kam 1984 die Idee das Gebiet für Bürobauten zu nutzen. Um dieses Vorhaben rentabel werden zu lassen, war jedoch eine kritische Masse erforderlich. Die hierzu angefertigten Pläne wurden zum damaligen Zeitpunkt zwar bereits präsentiert, zusammen mit dem Unternehmen Morgan Stanley, anschließend jedoch wieder zu den Akten gelegt. Aus diesem Grund wurde zum damaligen Zeitpunkt, beim Bau der Docklands Light Railway, welche im Jahr 1987 eröffnet wurde, keine Station in Canary Wharf errichtet.

Im Jahr 1988 wurden, nach Übernahme des Projekts durch das kanadische Unternehmen Olympia and York, die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Selbiges Unternehmen verpflichtete sich ebenfalls die Kosten für die Verlängerung der Jubilee Line zu übernehmen.

Ein weiteres Problem für die Entwicklung des Canary Wharf stellte der 1990 folgende Einbruch des Immobilienmarktes dar. Der starke Rückgang der Nachfrage nach Büroräumlichkeiten führte dazu, dass das Unternehmen Olympia and York bankrott ging. In der Folge wurde Canary Wharf zum Symbol für die Immobilienkrise. Die Hälfte der Büroflächen des One Canada blieb ohne Mieter.

Im Jahr 1995 folgte dann der Kauf des Geländes durch ein internationales Konsortium. Zu diesem Zeitpunkt stand, trotz der 13.000 Arbeitsplätze, welche dort angesiedelt waren, noch immer rund die Hälfte der vorhandenen Büroflächen leer.

Erst mit dem Bau der Jubilee Line und der damit verbesserten Verkehrsanbindung gestaltete sich das Viertel für Unternehmen wieder interessant und bot plötzlich eine Alternative zu den bestehenden Geschäftszentren in der City. In der Folge wurden neben dem ursprünglich vorgesehen Programm noch weitere Projekte in Canary Wharf verwirklicht.

Architektur

Als Olympia and York das Canary Wharf Projekt übernahmen, ging damit eine Zeit neuer Erfahrungen und Erkenntnisse auf dem Gebiet der Architektur, im speziellen in der Errichtung von Hochhäusern nach dem in Nordamerika bereits angewandten Prinzip, einher. Canary Wharf sollte nach amerikanischem Vorbild erbaut bzw. erneuert werden: einfach, schnell und – nach amerikanischen Standards – traditionell. Demnach war es nicht überraschend, dass mit dem Auftrag für das Projekt folgende amerikanischen Firmen bzw. Architekturbüros beauftragt wurden: Skidmore, Owings & Merrill, Pei Cobb Freed & Partners sowie Kohn Pedersen Fox zur Errichtung der niedrigeren, 20-stöckigen Gebäude und Cesar Pelli zur Planung des damals höchsten Gebäudes Europas mit 50 Geschossen.

Jedoch war man auch daran interessiert, vor Ort ansässige Unternehmen in den Planungs- und Ausführungsprozess zu integrieren, sodass Throughton McAslan schließlich eines der Gebäude am „Fuße“ des Pelli Towers in sehr geradlinigem und modernem Stil und völlig anders als die dagegen eher aufdringlich wirkenden Nachbargebäude entwarf.

1989, während der Errichtung des Pelli Towers, wurden schließlich auch die Architekten Norman Foster und Richard Rogers eingeladen, einen Entwurf für zwei Hochhäuser, welche den Pelli Tower in seiner Höhe übertreffen sollten, anzufertigen.

Das Team von Norman Foster hatte zum damaligen Zeitpunkt bereits Erfahrung auf dem Gebiet der Planung von Hochhäusern, nicht zuletzt durch die Planung des nur drei Jahre zuvor errichteten Gebäudes der Hongkong Bank, welches als Architekturikone gilt und lange Zeit das teuerste Gebäude der Welt war. Doch im Gegensatz zu diesem sollten in Canary Wharf sehr kommerzielle Bürogebäude errichtet werden, welche auch für das Team Norman Fosters eine neue Herausforderung darstellten. Zudem waren Olympia and York Experten auf ihrem Gebiet und wussten genau, was sie wollten. In Bezug auf innovative Ideen waren sie nicht abhängig von den Fähigkeiten eines Architekten, weder auf architektonischem noch auf technischem Gebiet. Auch waren sie nicht daran interessiert Hochhäuser neu zu erfinden. Dabei hatten sie ihre Rechnung jedoch ohne Foster gemacht, welcher in seiner Planung nach einer Hinterfragung jeder Entscheidung bzw. Prüfung jeder Information verlangt und demnach das Prinzip jedes Projektes gründlich durchdacht werden muss.

Der erste radikale Vorschlag war eine Veränderung des Lageplans. Der Bauträger hatte ursprünglich eine symmetrische Anordnung der Gebäude und die Errichtung eines neuen öffentlichen Platzes östlich des Pelli Towers sowie neue Gebäude an der Nord- und Südseite des Turms vorgesehen. Der Plan für die Büros war subtiler. Einer der neuen Türme sollte an der Ostseite des öffentlichen Platzes errichtet werden, wohingegen die Südseite unverbaut und damit „offen für Sonne und Wasser“ gestaltet sein sollte.

Die Form der geplanten Hochhäuser unterschied sich ebenfalls wesentlich von der ursprünglich durch Olympia and York geplanten. Diese schworen nämlich auf die einfachen, traditionellen, urbanen Formen. Ihrer Philosophie nach, sollte eine Stadt aus Straßen und Plätzen, deren Verlauf und Form relativ einfach bzw. geradlinig zu sein hätten, bestehen und diese wiederum von Gebäuden begrenzt werden, welche durch eine Tür an ihrer Vorderfront erschlossen werden sollten.

Ein derartiges Prinzip bringt jedoch einen ästhetischen Nachteil mit sich: diese Gebäude sollten nämlich in ihrer Form ebenso traditionell ausgeführt sein, also in Anfang, Mitte und Ende oder in klassischer Ausdrucksweise in Basis, Schaft und Kapitell unterteilt sein. Pelli’s Tower hatte diese Anforderungen bereits einigermaßen erfüllt. Seine Basis bildete kein geschlossenes Geschoß sondern viel mehr eine offene Säulenhalle. Diese Säulen fanden ihre Fortsetzung in den darüber liegenden Geschoßen. An der Spitze des Gebäudes sollte die mechanische Anlage sozusagen durch einen „Hut“ in Form einer Pyramide verdeckt werden, wodurch die traditionelle Form eines Obelisk entstand.

Der erste Entwurf für die Foster Associates Towers ging keinen derartigen Kompromiss ein. Die Türme wuchsen laut Entwurf direkt aus dem Boden und endeten durch eine schlichte ebene Plattform, nahezu völlig schmucklos. Die massive Säulenhalle im Erdgeschoß wurde ersetzt durch eine 8 Stockwerke hohe Lobby, welche wie ein gebäudeinterner Garten anmutet und von seiner urbanen Umgebung lediglich durch einen transparenten „Glasvorhang“ getrennt ist. Selbst der Versorgungskern sollte verglast ausgeführt werden.

Die Konstruktion war sehr traditionell – ein Stahlskelett (ermöglicht rasche Errichtung), welches Betonplatten mit permanenter Metallschalung trägt. Die Ausführung sah erhöhte Böden und abgehängte Decken zur Installationsführung vor.

Den größten Aufwand in punkto Detailplanung beanspruchte die „Verkleidung“. Glas (Isolierverglasung mit einem geringen Emissionswert) stellte hierfür das Hauptmaterial dar. Die Glasplatten sollten als geschoßhohe Elemente geliefert und mechanisch an einer Sekundärkonstruktion befestigt werden, welche an der Fassade wie ein Schatten des Rasters der Primärkonstruktion wirken sollte. Die wenig attraktive Ecklösung sollte durch gekrümmte Glaspaneele optisch verbessert werden. Als unmittelbares Vorbild für diese Fassadengestaltung bzw. –konstruktion galt das ITN-Building, wenngleich diese eigentlich bereits auf das Willis Faber & Dumas Building aus dem Jahre 1974 zurückzuführen wäre.

Die Foster Towers zählten in Bezug auf ihre architektonische Wirkung auf höchste Einfachheit sowie gleichzeitig auf extreme Feinheit in der konstruktiven Ausführung und auf ein Maximum an Transparenz. Dies entsprach dem genauen Gegenteil der üblichen Bauweise in Canary Wharf. Somit war es nicht überraschend, dass die ersten Entwürfe auf großen Widerstand seitens des Bauträgers stießen, nach dessen Meinung die Nachfrage der potentiellen zukünftigen Mieter sich eher auf eindeutige Zeichen von Qualität und Reichtum, vermittelt durch Materialen wie Granit, richten würde.

In späteren Entwürfen wurden die Anforderungen des Bauträgers kompromisslos erfüllt. Der Bereich der Lobby wurde auf vier Stockwerke reduziert und durch eine rundumlaufende Überdachung ergänzt.

Den Durchbruch in architektonischer Hinsicht brachte ein Vorschlag des Entwurfsteams, als Antwort auf die immer wiederkehrende Nachfrage des Bauträgers nach einer Verkleidung der Fassade mit dem Material Stein. Die Idee der Architekten war es, für die Fassadengestaltung eine Kombination aus Stein und Glas zu verwenden. Die beiden Materialien sollten jedoch hierbei nicht im traditionellen Sinn nebeneinander angeordnet werden sondern hintereinander – Stein hinter Glas – positioniert werden. Die Säulen sollten mit grünem italienischem Marmor verkleidet werden. Durch eine derartige Ausführung sollte die Zuverlässigkeit und Dauerhaftigkeit des Primärtragwerkes betont werden, dieses jedoch gleichzeitig von einer feinen, „zerbrechlichen“ Glashaut umhüllt werden. Dem Vorschlag folgte eine eingehende Prüfung.

Letztendlich waren jedoch Bauträger und Architekten sehr zufrieden mit dem Kompromiss und der Bauprozess schien fortgesetzt werden zu können. Dem folgte jedoch ein Brief an die Architekten in dem sie über den Projektstop informiert wurden. Aus finanziellen Gründen konnte der weitere Ausbau des Ostviertels von Canary Wharf nicht fortgesetzt werden und wurde auf unbestimmte Zeit unterbrochen.

Adresse:
Isle of Dog, Stadtbezirk London Borough of Tower Hamlets
Erreichbarkeit:
Jubilee Line (Station: Canary Wharf) oder Stadtbahn Docklands Light Railway (DLR, Station: Canary Wharf)

Schlagwörter

Hafengebiet, Revitalisierung, Docklands, Bürogebäude, Wirtschaftszentrum

Literatur

Baufakultätsbibliothek:

  • Norman Foster;Foster Associates, Buildings and Projects, 1982-1989
    Volume 4 englisch ISBN 3-7643-5428-3 Birkhäuser-Verlag, Basel 1996

Weblink

flickr.com - Map

Canary Wharf Group

Masterplan für Canary Wharf-archINFORM

Google

Wikipedia

Lageplan

Breite: 51º 30´ 13´´ N

Länge: 0º 1´ 6´´ W


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