exp.wiki NEU
WICHTIG: Das exp.wiki wurde aktualisiert und ist ab sofort unter einer neuen Adresse zu erreichen: https://exparch-www.uibk.ac.at/testwiki
Bitte das Anlegen neuer Seiten oder die Änderungen bestehender ab sofort ausschließlich dort durchführen.
Bestehende Projektseiten wurden/werden migriert und sind auch auf der neuen Plattform vorhanden.

Bio - Kunststoffe

Aus exp.wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

z.T. aus der Zeitschrift: Detail 2008|5 Seite 516-523

Bio Kunststoffe – aus Algen, Abfall und Kohlehydraten

Inhaltsverzeichnis

Definition

Bei Biokunststoffen handelt es sich nicht um eine einheitliche Polymerklasse, sondern um eine Familie von Produkten, die sich erheblich unterscheiden können. European Bioplastics versteht, ähnlich wie andere Verbände, darunter zwei unterscheidbare Klassen:


  • Kunststoffe, die auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt werden
  • Biologisch abbaubare Kunststoffe, welche alle Kriterien von wissenschaftlich anerkannten Normen zum Nachweis der biologischen Abbaubarkeit und Kompostierbarkeit von Kunststoff(produkt)en erfüllen; in Europa: EN 13432 / EN 14995 (www.european-bioplastics.org)


Der Biokunststoff bzw. das Bioplastik wird als ein Kunststoff bezeichnet, der auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen erzeugt werden kann. Dieser sollte alle Kriterien zum Nachweis der biologischen Abbaubarkeit und Kompostierbarkeit erfüllen. Biokunststoffe können in eine eigene Kategorie von Biowerkstoffen wie beispielsweise den Verbundwerkstoffen eingeteilt werden. Zu denen gehören die Wood-Plastic-Composites und jene bei denen biogene Anteile wie Holzmehl mit fossilen Kunststoffen vermengt werden. Jedoch sind auch Mischformen wie Naturfaserverstärkte Biokunststoffe durchaus realisierbar.

Biokunststoffe werden zu Halbzeugen, Formteilen oder Folien verarbeitet. Sie dienen entsprechend ihrer Abbaueigenschaften vor allem als Material für Verpackungen, Produkte für den Garten- und Landschaftsbau, Materialien für den medizinischen Bereich und andere Produkte kurzer Lebensdauer.

Bei einem weltweiten Verbrauch von Kunststoffen von etwa 225 Millionen Tonnen stellen die Werkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen mit rund 250.000 Tonnen pro Jahr einen Anteil von nur 0,1 Prozent dar. Für die Zukunft werden jedoch enorme Marktzugewinne für Biokunststoffe prognostiziert.

Geschichte

Cellophan
Zellglas

Die frühesten Massenkunststoffe, die industriell hergestellt wurden, sind die Biokunststoffe. 1869 eröffneten die Gebrüder Hyatt die erste Fabrik zur Herstellung von Celluloid, ein thermoplastischer Kunststoff auf der Basis von Cellulose. Dieser Werkstoff wurde für die Herstellung von Billardkugeln verwendet, für Kämme, Tischtennisbälle, Brillengestelle und Spielzeug. Aufgrund der schnellen Entflammbarkeit konnte sich das Produkt aber nicht lange auf dem Markt halten.

1923 kam dann das Cellophan von Zellulosehydrat bzw. Zellglas auf der Basis von Cellulose auf den Markt. Es wurde hauptsächlich für Verpackungen und als Einsatz in Briefumschlägen verwendet. Die Herstellung der transparenten Folien wurde aber in Vergleich zu konkurrierenden Firmen zu teuer und das Zellglas wurde vom Markt verdrängt. Wegen der Wasserempfindlichkeit wurde es mit Polyvinylidenchlorid beschichtet und galt daher nicht mehr als biologisch abbaubar.

Mit der Entdeckung von Kunststoffen auf der Basis von Mineralöl entstanden in den 30er Jahren das Acrylglas, das Polystyrol, das Polyethylen und das Polypropylen.

Erst in den 80er Jahren kommen wieder durch das veränderte ökologische Bewusstsein Innovationen im Bereich Biokunststoffe. Die Patente häuften sich vor allem bei Kunststoffen auf der Basis von Stärke und Zellulose.

In der heutigen Zeit werden Biokunststoffe hauptsächlich auf Basis der Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit entwickelt.

Kunststoffe als Biokunststoffe sind durch und durch umweltverträglich. Sie kommen nicht nur ohne Erdöl aus, sie lösen nebenbei auch das Entsorgungsproblem. Mikroorganismen zersetzen ausgediente Produkte aus dem Material in wenigen Tagen. Produkte wie beispielsweise Abdeckungen für Feuerwerkskörper sind nicht nur hitzebeständig, sondern lösen sich unter normalen thermischen Verhältnissen völlig auf, sie sind problemlos verdaulich und könnten genauso von Tieren gefressen werden.

Verbesserte Eigenschaften

Kunststoff-Granulat

Wesentliche Verbesserungen ließen sich durch rasante Entwicklungen im Bereich Wissenschaft und Forschung erzielen. Neue technische Kunststoffe entstehen durch Bakterien und nachwachsenden Rohstoffen. So lässt sich beispielsweise aus Zucker in Verbindung mit Bodenorganismen PHA (Polyhydroxyalkanoat) herstellen. Aus drei Kilogramm Zucker stellen die Mikroben ein Kilogramm Plastik her. Problematisch ist hierbei die Trennung des Kunststoffes von den Einzellern, dies ist nur mit speziellen Lösungsmitteln möglich. Deswegen kostet PHA 11 bis 19 Euro im Vergleich dazu bekommt man Polyethylen oder Polypropylen schon ab einem Euro. Biomer

Heute gibt es die so genannten Bio – Kunststoffe, die dieselben mechanischen und technischen Eigenschaften wie petrochemische Kunststoffe aufweisen. Sie sind abriebfest, temperaturbeständig, hochtransparent, bruchfest, einfärbbar etc. und zusätzlich auf den gleichen Maschinen in den jeweiligen Taktzeiten zu verarbeiten. Der Markt verlangt nach mehr bzw. die Nachfrage ist groß genug und es gehören neben vielen anderen die Firma Bayer, Dupont und BASF zu den Produzenten von Bio – Kunststoffen.

Wie auch schon bei den petrochemischen Kunststoffen bekannt ist, gibt es bei den aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugten Kunststoffen Granulate, Faserkomposite (Naturfaserkomposit, NFK) und faserverstärkte Kunststoffe.

Herstellung und Verarbeitung

Mit möglichst vielen Technologien verarbeitbares Material wird in der Werkstoffentwicklung versucht herzustellen. Dies erfolgt meist durch Modifikationen und Überarbeitungen von den jeweiligen Werkstoffen. Als Beispiel wird Keramik tiefgezogen und Holz spritzgegossen. Ist nach dieser eher unklaren eindeutigen Einordnung der Materialien extrudiertes Holz ein Öko – Kunststoff? Eigentlich schon, da der wesentliche Rohstoff aus nachwachsenden Material besteht. (Beispiel: Artek Pavillon von Shigeru Ban - Etikettenabfälle wurden gehäckselt und extrudiert)

Der Herstellungsprozess beeinflusst natürlich die Konstruktion und Formgebung. Bei der Entwicklung von Öko – Kunststoffen ist es wichtig eine Verarbeitung mit Großserientauglichen Technologien zu finden, mit der man Produkte im Sekundentakt herstellen kann. Hierbei kennt man das extrudieren, formschäumen, kalandrieren und spritzgießen.

Es werden Öko – Kunststoffe nur dann den Markt erobern können, wenn keine Nachteile in der Formgebung, Verarbeitung und Qualität zu erkennen sind.

Upcycling und geschlossene Kreisläufe

Die Biotechnologie bringt gegenüber anderen Technologien in Bezug auf die Herstellung von Kunststoffen keinen hohen Flächenverbauch und den Anbau an Monokulturen mit sich.

Rohstoffe zur Kunststoffherstellung lassen sich aus Bakterien bilden, die sich in verschiedenen Abfallprodukten befinden. Dieser Vorgang wird als Upcycling von Abfällen wachsender Rohstoffe zu hochwertig qualitativeren Werkstoffen bezeichnet.

In der Entwicklung von Bio – Kunststoffen wurden bei der Gewinnung von Rohstoffen in geschlossenen Kreisläufen weitere Fortschritte gemacht. Völlig ohne Abfall produzieren Bakterien unter Einwirkung von solarer Energie bzw. Geothermie Bio – Kunststoff – Granulat. Dies ist die radikalste Form von Bio-Kunststoffen.

Aktuelle Beispiele von Rohstoffen und Biokunststofftypen

Folgende Materialien, können als Öko-Kunststoffe bezeichnet werden. Diese werden zum Teil im Reagenzglas, in der Fabrik oder auf dem Feld hergestellt. Sie zeigen ihre unterschiedlichen Anwendungsbereiche und Materialeigenschaften, die einerseits eine Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten, Qualitätsaufwertungen und vieles mehr bieten können.

Karottenfaserverstärkte Kunststoffe

Wenn man Fasern in Kunststoffe mischt, werden diese stabiler und können somit mit dünneren Wandstärken verbaut werden. Im Regelfall bestehen diese Fasern aus Glas, Karbon oder Aramid. Da sich diese Materialien aber schwer recyceln lassen, verwendete man Hanf, Flachs- bzw. Sisalfasern. Damit lassen sich aber keine kleine komplexe Formen im Spritzgussverfahren herstellen.

Um dies zu ermöglichen und einen nachwachsenden Rohstoff zu verwenden, stieß man auf „Nanofasern“, die man aus Karotten extrahiert und mit Hightechharzen zu einem so genannten Compound verbindet. Teile mit hoher Biegefestigkeit und geringen Gewicht könnten in Zukunft mit diesem Material hergestellt werden, angeblich sollte es die Glas- bzw. und Karbonfaser ersetzen.


Hochleistungskunststoffe aus Maisstärke

Der neue Bestandteil der Firma Dupont nennt sich Bio - Propandiol (PDO), dieses wird in einem Firmenpatentierten Verfahren aus Maisstärke hergestellt. Zu den Eigenschaften des Materiales zählen die hohe Abriebfestigkeit, Stoßfestigkeit und Bruchsicherheit. Wird unter anderem für die Herstellung von Motorradstiefeln verwendet.


Extrudierter Holz-Kunststoff

Den Hauptbestandteil des Materiales bildet Abfall aus der Möbelherstellung. Sägemehl und Sägespäne garantieren für die Stabilität des Produktes. Als Bindemittel werden Naturharze bzw. herkömmlicher Mais verwendet. Die Mischung wird zu einem Granulat verarbeitet, das sowohl in verschiedenen Profilen extrudiert oder aber auch spritzgegossen werden kann. Die Oberfläche kann durch schleifen, sägen, fräsen und lackiert bearbeitet werden.


Bio-Verbundwerkstoffe

Diese können mit dem Werkstoff Glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) verglichen werden, da ihre Eigenschaften wie Bruchfestigkeit, gute Biegefestigkeit und Formstabilität ähnlich sind. Da Bio – Verbundwerkstoffe aber aus Leinöl und Flachs bestehen, können diese im Gegensatz zu GFK recycelt werden. Aus diesem Material wurden schon Karosserieteile für Fahrzeuge entwickelt, vor Jahren konnte sich unter anderem ein Bauhelm auf dem Markt etablieren.


Schaumstoff aus Pflanzenöl

Statt aus Erdöl wird dieser Werkstoff aus Pflanzenöl gewonnen. Dieser Schaumstoff ist offenporig und kann wie jeder andere Schaumstoff auch in unterschiedlichen Stärken und Porengrößen hergestellt werden. Ist hauptsächlich für Matratzen in Verwendung, da es für eine hohe Tragfähigkeit, Elastizität und ein hervorragendes Rückstellverhalten garantiert.



Hartschaum aus Holz

Die Bestandteile werden aus den Abfällen in der Möbelindustrie und Forstwirtschaft gewonnen und feingemahlen, anschließend mit Wasser vermischt und mit Hefepilzen versetzt, die den Holzbrei aufschäumen lassen. Dieser wird zu Platten bzw. fertigen Produkten gebacken. So entsteht ein leichter Holzwerkstoff, der sich in Wasser wieder auflösen und verwenden lässt.


Schaumstoff aus Latex-Naturfaser

Eine Kombination aus Kokosfasern und Latex ermöglicht eine hohe Luftdurchlässigkeit und Feuchtigkeitsaufnahme. Wobei sich die Festigkeit erhöht je mehr man dem Latex Kokosfasern zufügt. Ohne Verwendung von Treibmittel wird hier eine beträchtliche Reduzierung der Materialstärke ermöglicht. Dieser Schaumstoff wird unter anderem für Autositzauflagen verwendet.


Papierschaum aus Altpapier

Wird aus einer viskosen Suspension hergestellt, deren Bestandteile Altpapier, Zellulose und Wasser sind. Anschließend wird diese Lösung in eine Form geschäumt, durch eine Temperatur des Werkzeuges von 200°C geliert die Stärke und das Wasser verdampft. In diesem Vorgang schäumt die Suspension auf und füllt somit die Form.


Schaumstoff auf Algenbasis

Pro Tag wachsen Algen bis zu 1m und sind weltweit zur genüge vorhanden, somit muss man dieses Produkt abschöpfen nicht anbauen. Die TU Graz beschäftigte sich mit der Nutzung und stellte das Produkt Aginsulat vor, das Expandiertes Polystyrol (EPS) ersetzen kann. Zur Aufschäumung des Schaumstoffes wird ausschließlich nur Luft verwendet, somit wäre die Produktion Schadstoffrei. Der Werkstoff könnte als Wärmedämmung oder als Innenverkleidung im Kfz-Bereich verwendet werden, da er flammhämmend und wasserunlöslich ist.


Thermoplastischer Kunststoff aus Kartoffelstärke

Dieser Kunststoff besteht zu 100% aus pflanzlichen Materialien und ist somit essbar, wasserlöslich, verdaulich und vollständig abbaubar. Zu den hervorragenden Eigenschaften des Bioplast TPS zählen sehr gute Durchlässigkeit für Wasserdampf und Sperreigenschaften gegenüber Sauerstoff und Kohlendioxid. Dieses Material ist in Verwendung bei Fast - Food Einwegverpackungen.


Dämmplatten aus Zellulose

Moniflex, eine transparente Leichtbauplatte, besteht aus gefalteter, kreuzweise miteinander verbundener Zelluloseazetatfolie. Ihr geringes Gewicht, Formstabilität, Langlebigkeit und Wasserbeständigkeit zählen zu den hervorragenden Eigenschaften des Kunststoffes, der sich leicht herstellen und einfach mit einem Messer zuschneiden lässt. Eingesetzt werden die Platten zur Dämmung in Flugzeugen, Schiffen und Booten.



Polyamid auf Rizinusölbasis

Für Polyamide besitzt dieser Kunststoff eine relativ geringe Dichte in Kombination mit guter Kaltschlagfähigkeit. Zusätzlich ist er durch seine geringe Wasseraufnahme sehr dimensionsstabil. Polyamid auf der Basis von Sebacinsäure aus Rizinusöl wurde schon vor 50 Jahren von der Firma BASF entwickelt, da die Nachfrage nach ökologischen Produkten aber anstieg, wurde das Produkt 2007 wieder in das Sortiment aufgenommen.


Granulatproduktion durch Bakterien

Ralstonia eutropha, ein Bakterium das Polyhydroxybuttersäure (PHB) produziert, verwandelt überschüssige Kohlenhydrate in Fettsäuren und fügt es zu Polyhydroxybuttersäure zusammen. Dieser Werkstoff ähnelt dem Massen Kunststoff Polypropylen. Er ist milchig bis klar, thermoplastisch verarbeitbar, ungiftig und biologisch abbaubar. Man verspricht sich in Zukunft einen großen Erfolg durch dieses Produkt.


Wasserstoffproduktion durch Grünalgen mittels Solarenergie

Eine Grünalgenkultur produziert in einem luftdicht verschlossenem Schwefelmangelmedium Wasserstoff. Diese Organismen können unter bestimmten Bedingungen die Energie des Sonnenlichtes in Wasserstoff umwandeln. An der Universität Bochum rechnet man damit in zwei Jahren eine Laptop mit einem mobilen „Grünalgen – Akku“ betreiben zu können.


Kunststoff aus biologischen Abfällen

In Bioreaktoren können mittels eines natürlichen Fermentierungsprozess aus Bio – Abfällen Rohstoffe für die Kunststoffherstellung gewonnen werden. Zu den Ausgangsstoffen zählen Molke aus der Käseherstellung oder Obstrückstände aus der Saftproduktion. Beim Fermentierungsprozess entsteht Polylacid| Polymilchsäure (PLA), die die Basis bei der Herstellung von Polyester darstellt. Gegenüber nachwachsenden Rohstoffen hat PLA den Vorteil, dass Abfälle verwendet werden.


Solarstrom aus Kunststoffen

Sonnenlicht wird mit Hilfe von Farbstoffen in der organischen Solarzelle in Energie umgewandelt. Dies ist durch Verwendung von stromleitenden und lichtaktivierbaren Kunststoffen möglich. Diese werden in dünnen Schichten auf transparente folienartig, flexible Flächen aufgetragen. Hierbei können handelsübliche Bedruckungsmaschinen verwendet werden. Der Materialaufwand ist ebenso wie das Gewicht sehr gering und die Herstellung einfach, somit ermöglichen sie einen niedrigen Endpreis. Sie sind umweltverträglicher als Silizium-Solarzellen und der Grad der Transparenz bzw. Farbigkeit der organischen Solarzellen lässt sich individuell einstellen. Dies ermöglicht neue Gestaltungs- und Einsatzmöglichkeiten für Architekten und Designer.


Verwendungsbereiche

Prinzipiell kommen alle Anwendungsbereiche für Biokunstoffen von den üblichen Kunststoffen in Frage. Bei den biologisch abbaubaren Kunststoffen gibt es allerdings einige Anwendungsbereiche, bei denen eine lange Lebensdauer nachteilig und ein schneller Abbau vorteilhaft ist. Noch schwieriger sind technische Spezialanforderungen, bei denen das Material z.B. hohen Temperaturen widerstehen muss.

Verpackungen

Im Verpackungsbereich bieten sich die biologisch abbaubaren Kunststoffe nur zu gut an, da sich dadurch das Abfallaufkommen nicht verrottender Kunststoffe erheblich reduzieren lässt. Die einfach aufgeschäumten duroplastischen Verpackungschips auf der Basis von Stärke hergestellt sind mittlerweile sehr weit verbreitet.

Meist aber werden die Kunststoffe zu Folien bzw. Mehrschichtfolien geblasen, diese lassen sich als Flachfolien extrudieren, sind thermotiefzieh- und verformbar, bedruckbar, können verschweißt werden und man kann sie auch spritzen und verkleben. Blisterverpackungen, die man zum Abpacken von beispielsweise Obst oder Gemüse verwendet, lassen sich ebenfalls aus Biokunststoffen herstellen.

Biokunststoffbeschichtungen auf Verbundverpackungen aus Papier und Karton bilden die neue Generation von kompostierbaren Verpackungsmaterialien und ermöglichen eine unkomplizierte Verwertung. Gerade auf dem Gebiet der Abfallentsorgung und der Verpackungen besitzen die kompostierbaren Säcke bzw. Behältnisse zum Sammeln von Biomüll einen größeren Marktanteil.

Biokunststoffe als Verpackungsmaterial kommen auch schon seit langem in den Supermärkten stärker zum Einsatz, wobei der größte Vorteil hierbei ist, dass verdorbene Waren inklusive Verpackung entsorgt werden können.

Garten- und Lanschaftsbau

Mulchfolien, Pflanz- und Aufzuchttöpfe aus Biokunststoffen finden im Garten- und Landschaftsbau ihre Verwendung. Es ist von Vorteil, wenn das Pflanzenmaterial und die Erde nicht gesondert entsorgt werden muss und das Material biologisch abgebaut werden kann. Die Mulchfolien, die hauptsächlich auf größeren Flächen verwendet werden, können nach Anwendung ohne Probleme untergepflügt werden.

Zum Hochbinden rankender Pflanzen wie beispielsweise Hopfen oder Tomaten werden Kunststoffbänder bzw. Garne verwendet. Weiters gibt es noch kompostierbare Samenbänder, Folien und Netze, Pflanzenschalen, Friedhofslichter, Blumentöpfe und verrottbare Abschlaghalter auf Golfplätzen.

Cateringartikel

Zu den verwendeten Produkten gehören Trinkbecher, Einmalbesteck und Geschirr, Schalen, Einwickelfolien, Trinkhalme. Diese Artikel häufen sich nach Großveranstaltungen, werden nur einmal verwendet und werden nach Gebrauch sofort entsorgt. Unter Verwendung von Biokunststoffen können hier nur Vorteile erreicht werden. Neben der Kompostierbarkeit ergeben sich zudem keine hohen Entsorgungskosten, der Abfall kann in einem Stück entsorgt werden und kostspielige Mülltrennungsverfahren werden vermieden.

Medizin und Hygiene

Auf diesem Gebiet ist wohl die Resorbierbarkeit der Produkte eines der entscheidenden Eigenschaften. Somit sollten Schrauben, Kleber, Nahtmaterialien oder Implantate nach der Nutzungsphase vom Körper abgebaut und resorbiert werden. Dementsprechend kommen hier besonders hochwertige bioabbaubare Kunststoffe zur Anwendung.

Neben Gelatine wird auch die wasserempfindliche und thermoplastische schnellauflösende Stärke als Kapselmaterial von Arzneimitteln verwendet.

Biokunststoffe im Bereich der Hygiene werden hauptsächlich für Produkte verwendet, die als Wegwerfprodukte mit kurzer Lebensdauer dienen. Diese sind zum Beispiel Windelfolien oder Wattestäbchen, Damenbinden oder Bettunterlagen.

Biologischer Abbau

Die biologische Abbaubarkeit ist wohl einer der großen Vorteile von Biokunststoffen gegenüber den Kunststoffen auf Mineralölbasis. Unter guten Voraussetzungen erfolgte diese relativ rasch und die Materialien werden durch Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze zu Wasser und Kohlendioxid zersetzt. Biokunststoffe werden aus Pflanzen gewonnen und deswegen setzen sie bei der energetischen Nutzung und beim Abbau nur so viel CO2 frei, wie sie in der Wachstumsphase aufgenommen haben.

Die biologische Abbaubarkeit ist aber dennoch eine direkte Folge der chemischen Struktur und nicht der Rohstoffherkunft. Deswegen gibt es genauso auch synthetische Polymere, welche biologisch abbaubar sind.

Alle kohlenstoffbasierte natürlich vorkommende Polymere wie Stärke, Lignin und Zellulose sind biologisch abbaubar. Nachteilhaft ist, dass sich diese Biopolymere nicht mit den üblichen Verfahren der Kunststoffverarbeitung verarbeiten lassen.

Gesetzliche Regelungen

Führend bei der Herstellung und Nutzung von Biokunststoffen sind vor allem Länder der Europäischen Union wie Großbritannien, Deutschland und Italien, sowie einige asiatische Länder und die USA. Dementsprechend gibt es für diese Länder bzw. Regionen gesetzliche Rahmenbedingungen, die Entsorgung, Bezeichnung und Kennzeichnung vorschreiben.

Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene

Die Richtlinien für biologisch abbaubare Werkstoffe auf europäischer Ebene werden über die Norm EN 13432 geregelt. In Zusammenarbeit mit dem Branchenverband European Bioplastics (www.european-bioplastics.org)legt die Norm unter anderem verbindliche Standards fest, nach dem ein Werkstoff als vollständig kompostierbar betrachtet wird.

Mit der Richtlinie 94/62/EG des Rates vom 20.Dezember 1994 und des europäischen Parlamentes über Verpackungen und Verpackungsabfälle sowie den nationalen und europäischen Verpackungsverordnungen und Bioabfallverordnungen wird die EN 13232 flankiert und konkretisiert.

Ein Werkstoff wird als biologisch abbaubarer Werkstoff anerkannt, wenn dieser innerhalb von 6-10 Wochen in einer Großkompostierung nach DIN-Norm EN 13432 abgebaut wird. Der Stoff wird dann auch als „vollständig kompostierbar“ betrachtet.

Verpackungsverordnung

1991 wurde erstmals die Verpackungsverordnung (VerpackV) im Deutschen Bundestag beschlossen. Die aktuelle Verpackungsverordnung von 1998 gibt vor, die Umweltbelastungen, die sich aus Verpackungsabfällen ergeben zu verringern und die Wiederverwendung oder Verwertung von Verpackungen zu fördern.

Mit der Ausnahmeregelung vom 2.April 2008 in der Verpackungsverordnung, die ab 1.April 2009 in Kraft treten wird, wird eine Rücknahmepflicht der Verpackungen bzw. die Pfandpflicht von Einwegflaschen bis zum Jahre 2012 die Entwicklung des Marktes für Biokunststoffe und biologisch abbaubare Werkstoffe ankurbeln.

Bioabfallverordnung

Das Ziel der Bioabfallverordnung von 1998 ist es in 14 Paragraphen und drei Anhängen die ordnungsgemäße Behandlung, Untersuchung und Verwertung von Bioabfällen und Gemischen hinzuweisen. Unter anderem werden auch die biologisch abbaubaren Kunststoffe als Bioabfälle betrachtet und auf eine Entsorgung über den Kompost und die Biotonne aufmerksam gemacht.

Gesetzliche Regelungen in den USA

Die bestimmenden Gesetzlichkeiten für Biokunststoffe sind die ASTM 6400 und die ASTM D6866.

Die ASTM 6400 stellt Regeln für den biologischen Abbau fest und fordert eine Abbaubarkeit von Kunststoffen von 60% innerhalb von 180 Tagen um das Produkt kompostierbar bezeichnen zu können.

Die ASTM D6866 legt Standards für biobasierte Kunststoffe fest. Die Bezeichnung gibt keinen Aufschluss auf die Kompostierbarkeit, da auch Kunststoffe aus 100% nachwachsenden Rohstoffen nicht unbedingt biologisch abbaubar sind.

Hersteller | zusätzliche Links | Quellen

Literatur

  • Detail 2008|5 Seite 516-523

Links

Video


Persönliche Werkzeuge